Mayeur - Porträt eines Streitlustigen

Seitdem Yvan Mayeur 2013 in die Fußstapfen seines amtsmüde gewordenen Vorgängers und Parteigenossen Freddy Thielemans trat, war der Brüsseler Bürgervater regelmäßig in die Schlagzeilen: wegen umstrittener Maßnahmen und seines streitlustigen Charakters.

Bevor der heute 57-Jährige das höchste Amt in der Hauptstadtgemeinde Brüssel bekleidete, war der überzeugte Sozialist fast 20 Jahre lang Vorsitzender des Öffentlichen Sozialhilfeamts in Brüssel.

Der Kontrast zwischen Thielemans – ein schnauzbärtiger, übergewichtiger Lebemensch – und Mayeur – eckig, sportlich und knallhart – hätte größer nicht sein können. Sogar in der eigenen Parti socialiste eckte der Parteisoldat an, der „nur“ ein Diplom als Sozialarbeiter besitzt und vom Parteivorsitzenden Elio Di Rupo bei der Ministerernennung stets übersehen worden war.

Als Bürgermeister der Hauptstadtgemeinde stellte Mayeur den Ministerpräsidenten der Region Brüssel – Rudy Vervoort, ein Mann aus derselben Partei – gerne in den Schatten.

Auf Konfrontation mit der eigenen Polizei

Auch als Polizeichef ging Yvan Mayeur auf Konfrontationskurs: Als 112 Polizisten bei einer nationalen Kundgebung verletzt wurden, warf die Brüsseler Polizei Mayeur vor, sie als Kanonenfutter eingesetzt zu haben. Dass der Bürgermeister auch mit demonstriert hatte, während die Polizei von einem krawallbereiten Teil der Demonstranten in die Mangel genommen wurde, erhöhte den Ärger noch.

Auch mit Bundesinnenminister Jan Jambon (NV-A) verschlechterten sich die Beziehungen derart, dass Mayeur dem Minister verbot, am Weihnachtsabend Kuchen für die diensttuenden Polizisten vorbeizubringen. Der Brüsseler Bürgermeister hatte seinem Kollegen aus Antwerpen, Bart De Wever von der N-VA, vorgeworfen, streikende und amokmachende Hafenarbeiter nach Brüssel geschickt zu haben. Jambon leitete darauf hin eine Untersuchung nach Mayeurs Maßnahmen ein.

"Flamen besudeln Brüssel mit Extremisten"

 Nach den Terroranschlägen vom 22. März 2016 war die Atmosphäre in der Hauptstadt sehr angespannt. Eine Gedenkfeier an der Brüsseler Börse war von Hooligans aus Dilbeek gestört worden. 

Mayeur hatte scharf reagiert und Flandern vorgeworfen, Brüssel mit Extremisten zu besudeln. Nach entrüsteten Reaktionen auf diesen Vergleich bekannte Mayeur entschuldigend, er können 6 Millionen Flamen von 450 Hooligans unterscheiden.

Restaurant setzt Bürgermeister vor die Tür

Als Yvan Mayeur eines Abends in das Brüsseler Restaurant Cécilia einkehren wollte, wies man dem Bürgermeister die Tür. Der Restaurantinhaber, genau wie andere Betriebe in der Innenstadt, hatte noch nicht verdaut, wie Mayeur den Autoverkehr im Brüsseler Stadtzentrum relativ kurzfristig verboten hatte, um vor der Börse eine Fußgängerzone einzurichten. Mit gravierenden Einkommenseinbußen für Gaststätten und Kneipen.