Brüssel erstickt

Auf wichtigen Verkehrsadern in Brüssel ist die Luftverschmutzung bedeutend höher als die offiziellen Messungen vermuten ließen, sagt die Nichtregierungsorganisation ClientEarth, die aus diesem Grund bereits vor Gericht zog.

In der Brüsseler Wetstraat/Rue de la Loi betrug die Konzentration an Stickstoffdioxiden (NO 2) im Februar und März im Durchschnitt 91 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft. Bei der amerikanischen Botschaft in der Kunstlaan/Avenue des Arts wurden gar rund 99 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. In Europa beträgt der vorgeschriebene Höchstwert im Jahresdurchschnitt 40 Mikrogramm pro Kubikmeter, schreibt die Zeitung De Standaard an diesem Dienstag.

Die Zahlen stammen von der Organisation Client­Earth. Die kritisiert, dass an bestimmten vielbefahrenen Verkehrsachsen keine Messungen durchgeführt würden. Das sei der Fall in der Wetstraat und der Kunstlaan. Anderenorts, zum Beispiel in der Belliardstraat und an der Kunst-Wet, stünden zwar Meßgeräte, doch würden keine Messungen aufgezeichnet oder die Messungen flössen nicht in die offiziellen Statistiken mit ein. Das liegt daran, dass Messstationen nach europäischer Vorschrift mindestens 25 Meter von Kreuzungen entfernt installiert sein müssen. Die Messstation an der Kunst-Wet steht zu nah an der Kreuzung. Unglaublich, dass diese Station nicht einfach umgestellt wird, findet die Umweltorganisation.

Stickstoffdioxide sind äußerst schädlich. Das Gas irritiert Luftwege und Augen und langfristig kann es zu Herz- und Kreislauferkrankungen führen. Ferner trägt es zur Ozon- und Feinstaubbildung bei.

Hauptverursacher der Luftverschmutzung in Brüssel sind offenbar die vielen Dieselfahrzeuge, denn die Orte, an denen die Organisation die größte Luftverschmutzung maß, sind Straßen, auf denen vor allem Dieselfahrzeuge passieren.

Überdies stünden die Messstationen teilweise an Orten, an denen so gut wie  keine Autos verkehren wie auf der Esplanade vor dem Europäischen Parlament, unterstreicht die NGO.

Die Brüsseler Ministerin Céline Fremault (CDH) widerspricht der Organisation nicht. Allerdings weist sie daraufhin, dass in Brüssel 12 Messstationen stünden, darunter zwei im Europaviertel. Diese beiden Stationen seien derzeit aufgrund eines Streits mit dem Europaparlament nicht aktiv, so Fremault.