De Lijn-Großauftrag - Nur Trostpreis für Bombardier

Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn hat einen Großauftrag zum Bau von 24 Niederflur-Straßenbahnen an das spanische Unternehmen CAF vergeben. Der Bombardier-Standort in Brügge hatte sich ebenfalls um den Auftrag bemüht, griff jedoch ins Leere. Allerdings lässt De Lijn jetzt Antwerpener Straßenbahnzüge bei Bombardier in Brügge umbauen.

Bei dem Großauftrag, den De Lijn derzeit zu vergeben hat, handelt es sich um den größten Auftrag, den die Landes-Nahverkehrsgesellschaft je in Petto hatte. Bei den oben genannten 24 Niederflurtrams (siehe Grafik oben) handelt es sich nur um einen kleinen Anfangsauftrag, denn eigentlich will man insgesamt 146 neue Straßenbahnzüge bauen lassen. Dazu sollen insgesamt 295 Mio. € investiert werden.

Sowohl CAF aus Spanien und Bombardier in Brügge hatten sich um diesen Auftrag bemüht und Angebote eingereicht. Bei De Lijn hieß es dazu, dass beide Offerten in Sachen Qualität übereingestimmt haben, doch preislich gesehen seien die Spanier deutlich günstiger gewesen, was den Ausschlag gegeben habe. Allerdings wird Bombardier in einigen Teilbereichen CAF zuarbeiten.

Daneben soll Bombardier in Brügge einen Alternativauftrag erhalten. 53 sogenannte „Hermelintrams“ von De Lijn in Antwerpen (kl. Foto) sollen so umgebaut werden, dass sie aneinander gekuppelt werden können, um in Stoßzeiten mehr Kapazität bieten zu können, ohne unabhängig voneinander hintereinander zu fahren. Dieser Auftrag bringt Bombardier rund 23 Mio. € ein.

Arbeitsplatzsicherung in Brügge

Flanderns Landesverkehrsminister Ben Weyts (N-VA) sagte dazu, man habe alles getan, was im gesetzlichen Rahmen sei, um am Standort Brügge Arbeitsplätze zu sichern. Mit dem Auftrag für Antwerpen und der Zuarbeit für CAF habe Bombardier in Brügge jetzt wieder konkrete Zukunftsperspektiven. Bei De Lijn hieß es dazu, man habe die Entscheidung zur Auftragsvergabe bewusst in die Länge gezogen, damit sich Bombardier in Brügge und CAF in Spanien aufeinander zubewegen konnten, was schließlich auch geschehen sei.

Die Gewerkschaften beobachten den Vorgang mit gemischten Gefühlen. Der Standort Bombardier in Brügge steht unter Druck, denn der kanadische Schienenfahrzeughersteller ist dabei, sich zu reformieren. Seit Mai ist bekannt, dass in Brügge bis zu 160 Jobs abgebaut werden sollen. Und dann stehen daneben noch Gerüchte im Raum, nach denen die Schienenfahrzeugsparte von Bombardier mit der des Branchenkonkurrenten Siemens fusionieren könnte.