Belgische "Spione" ärgern sich über "Sabotage"

Schon im Dezember 2016 richteten vier Kommissare des Militärischen Abschirmdienstes (ADIV) ein Schreiben an Bundesverteidigungsminister Steven Vandeput (N-VA) und an den Oberbefehlshaber der belgischen Armee, in dem sie sich über den schlechten Zustand beschweren, in dem sich ihre Einrichtung befindet. Dieses Schreiben kam jetzt auch in die Hände der flämischen Tageszeitung De Standaard.
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Auf sechs Seiten klagen die vier Ermittler des Militärischen Abschirmdienstes über „einen dramatischen Personalmangel“ und darüber, dass ihre direkte Abteilung Counter Intelligence (CI), sprich der Bereich Gegenspionage, nicht rund laufe.

Unklarheiten in Sachen Auftragsvergabe würden zu „Konkurrenzverhalten, fehlerhafter Weitergabe von Informationen und damit zu Verwirrung bei den Partnern im In- und Ausland führen, weil diese nicht wissen, wer innerhalb des ADIV ihr richtiger Ansprechpartner ist.“

Hinzu kommt noch, dass die Autoren von einem „Misstrauen zwischen den einzelnen Abteilungen des militärischen Abschirmdienstes“ schreiben.

Gerade solche Entwicklungen stellte auch der parlamentarische Untersuchungsausschuss zu den Terroranschlägen vom 22. März 2016 in seinem erst kürzlich veröffentlichten Bericht zum Thema Sicherheit fest. Der Ausschuss empfiehlt dringend eine bessere Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Sicherheits- und Nachrichtendiensten in unserem Land.

Dem Leiter des ADIV, Eddy Testelmans, werfen die „Spione“ vor, nicht dagegen zu unternehmen und deshalb vermuten sie auch eine „regelrechte Sabotage von Seiten des militärischen Kommandos“. Sowohl Testelmans, als auch Verteidigungsminister Vandeput, gaben an, von den Problemen zu wissen. Testelmans weist auf eine historische und chronische Unterfinanzierung des ADIV hin, wirft aber den Briefschreibern ein „Calimero-Verhalten“ vor.

Der Verteidigungsminister will laut der flämischen Tageszeitung De Morgen erst dann eingreifen, wenn sich das Komitee I, das parlamentarische Kontrollorgan der belgischen Nachrichten- und Sicherheitsdienste, mit dem Vorgang befasst hat: „Erst dann kann ich eventuell Maßnahmen ergreifen.“