Belgische Großbanken kontrollieren Kunden nicht nur auf World-Check-Liste

Auf der 'größten schwarzen Liste der Welt', eine Liste mutmaßlicher Terrorunterstützer, die von World-Check zusammengestellt wurde und hinter der wiederum die Nachrichtenagentur Thomson Reuters in London steckt, stehen knapp 16.000 Belgier. Die Liste ist aber nur eine der vielen Quellen, die belgische Großbanken zu Rate ziehen, um ein Risikoprofil ihrer Kunden zu erstellen. Das sagt Isabelle Marchand, die Pressesprecherin beim Branchenverband Febelfin.

Man werde als Kunde nicht automatisch abgewiesen, nur weil man auf einer solchen schwarzen Liste stehe, heißt es bei dem Verband.

Die flämische Zeitung De Tijd hatte mit Journalisten aus fünf weiteren Ländern Einblick in die gesamte Datenbank von "World-Check" nehmen können. Auf der Liste stehen auch 15.833 Belgier. Darunter sind viele Personen, die höchstwahrscheinlich unschuldig sind und auf der Grundlage falscher Informationen nun als Risikokunden eingestuft werden.

Insgesamt sind auf der Liste offenbar Daten von mehr als 2,2 Millionen Individuen, die ein "höheres Risiko" darstellen sollen und deshalb zum Beispiel bei Banken kein Konto eröffnen dürfen.

Die belgischen Großbanken KBC, BNP Paribas Fortis, Belfius und ING benutzen die Liste, sobald sie ein Risikoprofil von potentiellen Kunden erstellen und können den Personen auf dieser Grundlage eine Kontoeröffnung verweigern. Doch das passiere nicht so ohne weiteres, betont Marchand. "Die Liste ist nur eine von vielen Quellen, die die Banken einsehen, um Kunden zu identifizieren und ein Risikoprofil zu erstellen. Auskunft zu einer Person gibt auch der belgische Staat", so die Sprecherin.

Ferner gingen die Finanzhäuser sehr vorsichtig mit den Informationen von World-Check um. "Sie führen immer auch eine eigene Untersuchung durch, um herauszufinden, ob ein tatsächliches Risiko bestehe.

Man werde nicht automatisch von der Bank zurückgewiesen, nur weil man auf der schwarzen Liste stehe.

Die World-Check Liste wird in 170 Ländern von Großbanken und Unternehmen genutzt, um zu prüfen, ob Kunden und Geschäftspartner ein Risiko darstellen, weil sie beispielsweise  Terrorgruppen finanzieren oder in Geldwäsche verstrickt sind. Die Kriterien, die bestimmen, ob man auf einer solchen Liste landet, können jedoch noch viel weitreichender sein. Schon politisch heikle Äußerungen reichen offenbar aus, um auf die Liste zu kommen. Die betroffenen Personen oder Organisationen erfahren davon zumeist jedoch nichts.

Der Vorsitzende des Privacy-Ausschusses, Willem De Beuckelaere will das Problem bei den Banken ansprechen. World-Check selbst betont, dass es jeden, der zu Unrecht auf der Liste stehe, ermutige das Unternehmen zu kontaktieren.