TÜV kann Rußfilterbetrug nicht feststellen

Einer Untersuchung der VRT-Nachrichtenredaktion zufolge ist die belgische Fahrzeuginspektion nicht in der Lage, den Betrug mit Dieselfiltern aufzudecken. So gelangen jedes Jahr zehntausende Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter in den Verkehr. Das Problem betreffe nicht nur die technische Fahrzeuginspektion in Belgien, sondern auch in anderen Ländern Europas.

Dieselfilter sollen den Ausstoß von giftigem Feinstaub und Ruß verhindern, die jedes Jahr den frühzeitigen Tod von Hunderttausenden Menschen weltweit verursachen.

Weil Dieselfilter nach einer gewissen Zeit ausgewechselt werden müssen, verzichten viele Autofahrer lieber auf den Einbau des 2.000 Euro teuren Ersatzteils. Kfz-Werkstätten entfernen den alten Filter ganz einfach und bauen ihren Kunden ein Gehäuse ohne Filter für ca. 450 Euro ein. Die Fahrzeuginspektion in Belgien ist technisch nicht ausgerüstet, um diesen Betrug aufzudecken.

Im Internet bieten viele Garagen diesen Service an und weisen ausdrücklich daraufhin, dass der Fahrzeughalter mit dieser Lösung auch durch den TÜV gerät.

Experten zufolge sind in Belgien zehntausende, wenn nicht sogar hundertausend Dieselfahrzeuge ohne Rußfilter im Umlauf.

VRT-Journalist Luc Pauwels machte den Test und ließ den Rußfilter in seinem Fahrzeug in einer Garage wechseln. Der Garagist entfernte den Filter und schweißte das Gehäuse ohne Filter wieder zusammen. Anschließend wurde die Software am Dieselfahrzeug neu eingestellt, damit der Bordcomputer kein Alarmsignal auslöst.

Bei der technischen Fahrzeugkontrolle, die Pauwels 2 Tage später machte, fiel der Betrug nicht auf: weder bei der Rußmessung noch bei der visuellen Kontrolle unter dem Fahrzeug.

Fazit: Auf diese Weise werden die Emissionshöchstwerte um 90 % überschritten.

Ein europäisches Problem

Der Fall des Untersuchungsjournalisten dürfte kein Einzelfall sein.

Die Fahrzeuginspektion reagierte und erklärte, ihre Messanlagen seien hoffnungslos veraltet und nicht ausgerüstet, um den Dieselfilterbetrug zu entdecken.

Der flämische Automobilverband VAB hat die Kriterien einer niederländischen Untersuchung über Dieselfilterbetrug auf Flandern übertragen und kommt zu dem Schluss, dass ca. 140.000 Dieselfahrzeuge in Belgien ohne Dieselfilter fahren.

Die VRT-Redaktion hat ihre Untersuchung auch mit Ergebnissen in anderen europäischen Ländern verglichen und schlussfolgert, dass der Dieselfilterbetrug in 18 europäischen Ländern stattfindet.

Aber weder die belgischen noch die europäischen Behörden, die für Umwelt und Volksgesundheit verantwortlich sind und von verschiedenen Organisationen auf dieses Problem aufmerksam gemacht wurden, haben den Dieselfilterskandal scheinbar ernst genommen.