Fünf flämische Traditionen werden zu Kulturerbe

Flanderns Kulturminister Sven Gatz (Open VLD) hat dem Inventar des immateriellen Kulturerbes fünf Traditionen hinzugefügt. Darunter ist auch die Klompen-Kultur, die Wohnwagen-Kultur und die Kultur der freien Rede. Zweimal pro Jahr werden hiesige Traditionen und Kulturen diesem Inventar hinzugefügt. Dies soll auch dabei helfen, alte Traditionen vor dem Vergessen zu bewahren.
Godelieve-Prozession in Gistel

Der Begriff „Immaterielles Kulturerbe“ steht im belgischen Bundesland Flandern wörtlich für „Gewohnheiten, Bräuche, Wissen und Praktiken, die eine Gemeinschaft oder eine Gruppe vererbt und die die Gesellschaft für ausreichend wichtig erachtet, um sie zukünftigen Generationen weiterzureichen.“

Flanderns Kulturminister Sven Gatz (Foto) fasste dieses folgendermaßen zusammen: „Dieses Inventar ist die Liste dessen, was wir als kulturelle Traditionen lebendig erhalten wollen.“ Diese Liste beinhaltet allerlei Traditionen, Phänomene, Bräuche und Gewohnheiten, die vom Karneval von Aalst über die Heilig Blut-Prozession in Brügge bis hin zur belgischen Bierkultur reichen.

Jonas Roosens

Die fünf neuen (alten) Traditionen

Die Wohnwagenkultur ist ein Großes und Ganzes von Traditionen, Bräuchen und Auffassungen von Menschen, die seit Generationen permanent in Wohnwagen leben und leben wollen. In Flandern sind drei Gemeinschaften von Wohnwagenbewohnern anerkannt: Die Voyageurs, die Manouches und die Roma.

Die Klompenmacherei war früher einmal ein wichtiges Handwerk, das spezifisches technisches Wissen erforderte. Viel von diesem Wissen ging bereits verloren, doch auch hier in Flandern ist noch immer eine sehr dynamische Kulturerbe-Gemeinschaft aktiv dabei, das Tragen von Klompen (oder auch Klumpen oder Klotschen) zu fördern bzw. diese Tradition am Leben zu erhalten.

Die Godelieve-Prozession in Gistel (Foto oben) zieht jedes Jahr am ersten Sonntag nach dem 5. Juli durch die Straßen dieser westflämischen Gemeinde. Daran beteiligen sich mehr als 1.000 Ehrenamtliche aus der Stadt und der Umgebung. Dabei werden 18 Bilder aus dem Leben von Godelieve (zu dt. Godeleva) dargestellt, u.a. ihr Leben, ihr Märtyrertod, ihre Heiligsprechung und ihre Verherrlichung. Die heilige Godeleva (geboren um 1052 - gestorben am 6. oder am 30. Juli 1070 in Gistel) ist eine vor allem in Flandern verehrte Märtyrin. Ihr Name ist die althochdeutsche weibliche Form von Gottlieb und bedeutet „die Gott Liebende“.

Die Rederijkerskamers sind die Gilden der Dichter - also die Dichterkammern. Sie entstammen der historischen Tradition der Amateurdichter und der Vortragskünstler, die sich schon immer in Vereinen organisierten. Heute existieren im niederländischen Sprachraum (Flandern und die Niederlande) 67 aktive Dichterkammern. Ein Großteil davon ist im „Dachverband der Kammern der Rhetorica e.v.“ vereinigt.

Das folkloristische Erntefest Pikkeling. Dieses Erntedankfest findet jährlich Ende Juli in der sogenannten „Faluintjesstreek“ statt. Damit werden die Teilgemeinden von Aalst (Ostflandern) Baardegem, Herdersem, Meldert und Moorsel zusammengefasst. Der entsprechende Festzug mit Tanz und Musik aus verschiedenen Ländern findet abwechselnd in einer der genannten Gemeinden statt. Dabei werden auch traditionsreiche gastronomische Gerichte mit natürlich lokalen Produkten gereicht.