E-Commerce: "Mangelnde Flexibilität kostet Jobs"

Nach Ansicht des belgischen Handels- und Dienstleistungsverbandes Comeos kostet der Mangel an Flexibilität am Arbeitsmarkt im Bereich Online-Handel zehntausende Jobs. Da nachts und am Wochenende kaum jemand im Online-Vertrieb arbeitet, werden im Internet getätigte Käufe erst nach Tagen ausgeliefert. Das sorgt dafür, dass die Verbraucher nach Ansicht von Comeos lieber direkt bei einem ausländischen Online-Shop einkaufen.
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Der Handels- und Dienstleistungsverband Comeos befragte in diesem Sinne die Kunden von Online-Shops und stellte dabei fest, wie die Tageszeitungen De Standaard und La Libre Belgique dazu schreiben, dass sich die Verbraucher in Belgien mittlerweile damit abgefunden haben, dass ihre im Internet erworbenen fest nur in der Woche und während der Bürozeiten ausgeliefert werden.

Laut Comeos-Umfrage haben acht von 10 Online-Kunden damit kein Problem. Zudem kaufen mehr als die Hälfte der Verbraucher in unserm Land ihre gewünschten Produkte bei ausländischen Online-Shops. Dadurch machen die hiesigen Online-Shops rund die Hälfte weniger Umsatz, als eigentlich möglich wäre, so der Retailer-Verband.

Dominique Michel, der CEO von Comeos, gibt an, dass bei mehr Flexibilität in den Bereichen Arbeitsrecht und Arbeitsmarkt im Bereich Online-Handel und E-Commerce 13.000 bis 15.000 zusätzliche Jobs geschaffen werden könnten.

Umfragen zufolge werden 4 von 10 Online-Bestellungen in Belgien nach 17 Uhr aufgegeben: „An Sonntagen gehen rund 8 Millionen Bestellungen raus. Doch wenn man an einem Sonntag bei einem belgischen Online-Shop etwas bestellt, dann muss man zwei bis drei Tage auf die Lieferung warten, weil dann niemand den Auftrag bearbeitet. Darum wählen die Kunden oft einen Webshop im Ausland.“

Jonas Hamers / ImageGlobe

Flexiblere Arbeitszeiten und niedrigere Lohnnebenkosten

Der belgische Dienstleistung-, Groß- und Einzelhandelsverband Comeos fordert bereits seit langem eine Lösung im Arbeitsrecht, um die Arbeit im Bereich E-Commerce nachts und am Wochenende flexibler gestalten zu können.

In den Nachbarländern Deutschland und Niederlande ist dies normal, doch hier in Belgien muss jedes Unternehmen ein eigenes Abkommen mit den Gewerkschaften dazu abschließen. Laut Comeos-CEO Michel stehen die Gewerkschaften aber in dieser Hinsicht „immer auf der Bremse“.

Doch nicht nur dieses Problem kosten unserem Land tausende Jobs. Auch die weiter für die Arbeitgeber zu hohen Lohnnebenkosten tragen ihr Scherflein dazu bei, dass hier nicht mehr umgesetzt oder angeworben wird. Inzwischen lassen sich sogar belgische Webshops mit ihren Vertriebszentren auf der anderen Seite der Grenzen Belgiens nieder…