Terrorermittler suchen weitere Verdächtige

Nach den Hausdurchsuchungen und den Waffenfunden im Brüsseler Stadtteil Anderlecht in der Nacht zum Montag suchen die Ermittler nach mindestens einer verdächtigen Person, die untertauchen konnte. Angesichts der Entdeckungen, die die Polizei in einer Anderlechter Garagenbox machte, gehen die Vermittler davon aus, dass ein Anschlag vermieden werden konnte. Und es steht die Frage im Raum, ob die Polizei das Anschlagsziel gewesen sein könnte.
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Bei den sechs Hausdurchsuchungen in der Nacht zum Dienstag in Anderlecht wurden auch zwei Garagenboxen durchsucht. Daneben wurden vier Personen festgenommen, von denen zwei dem Haftrichter vorgeführt wurden, der Untersuchungshaft anordnete. Dabei handelt es sich um zwei Brüder, die den Ermittlern als radikalisierte Moslems bekannt sind. Zwei weitere Personen wurden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Neben drei Kalaschnikows und 15 Magazinen für diese Schnellfeuerwaffen fanden die Ermittler in einer der beiden durchsuchten Garagen auch Zünder für Sprengsätze, zwei Uniformen von Polizisten, eine vom Zivilschutz und eine von einem Sicherheitsunternehmen sowie ein Blaulicht, eine „riot gun“ und drei Handfeuerwaffen. Daneben wurden auch Funkgeräte und zwei schusssichere Westen gefunden.

Geplanter Anschlag vereitelt?

Dies alles lässt die Terrorermittler darauf schließen, dass hier ein Anschlag geplant wurde. Verhöre mit Mohamed Abrini, einem der Überlebenden der Terroranschläge von Paris im November 2015, haben ergeben, dass irgendwo in Brüssel ein Waffenlager zu finden sei. Nur wo wussten die Ermittler nicht. Ob es sich bei diesem Waffenlager um das handelt, um das es hier geht, ist aber fraglich. Bei den jetzt verhafteten Verdächtigen handelt es sich um Mitglieder der berüchtigten Rockerbande „Kamikaze Riders“ denen eine Nähe zur verbotenen islamistischen Gruppierung Sharia4Belgium nachgesagt wird.

Die Tatsache, dass die Polizei dringend nach mindestens einer, wahrscheinlich aber mehreren weiteren Person fahndet, deutet darauf hin, dass Gefahr im Verzug ist (oder war). Offenbar war ein Anschlag geplant. Entgegen Meldungen vom Vortag könnte dieser Anschlagsplan doch schon in einem fortgeschrittenen Zustand gewesen sein.

Polizisten sind beunruhigt

Die Tatsache, dass bei der Entdeckung eines Waffenlagers von mutmaßlichen islamistischen Terroristen Polizeiuniformen und ein Blaulicht gefunden wurden, sorgt in Kreisen der Ordnungshüter für Unruhe. Polizeigewerkschaftler fühlen sich in ihrer bangen Vermutung bestätigt, dass die Polizei weiterhin ein potentielles Anschlagsziel für Terroristen bleibt.

Falls sich erweise, dass diese Uniformen echt sind und keine Fälschung, hätten die Beamten das Recht, sich sorgen zu machen, so ein Gewerkschaftler. Und dann bleibt dann noch die Frage, wie echte Polizeiuniformen in die Hände von Terrorverdächtigen fallen können. Wurde hier ein Diebstahl nicht gemeldet? Im Gegensatz zu Polizeiwaffen haben Polizeiuniformen keine Serien- oder Registriernummer - sind also nur schwerlich nachzuverfolgen.

Die Polizeigewerkschaften stellen sich gerade auch die Frage, warum die Terrorwarnstufe für die auf 2+ bleibt und nicht, wie im Rest des Landes, auf 3 (einer vierstufigen Skala) angehoben wird. Dies würde bedeuten, dass Polizeibeamte nicht unbewaffnet in den Außendienst gehen dürfen. Wiegen hier budgetäre Gründe schwerer als Menschenleben, fragen sich die Polizeigewerkschaften in Belgien.