Steigende Anzahl "working poor" in Belgien

In den vergangenen 10 Jahren mögen in Belgien viele neue Jobs geschaffen worden sein, doch gleichzeitig stieg auch die Zahl jener Arbeitnehmer an, die trotz Arbeitsstelle mit ihrem Einkommen nicht rundkommen. Nach einer Studie des Löwener Instituts für Arbeit sind im Laufe von 10 Jahren rund 40.000 solcher „working poor“ hinzugekommen.

Das bedeutet, dass die vielen Arbeitsplätze, die in den vergangenen Jahren geschaffen werden konnten, nicht dabei geholfen haben, die Armut in Belgien in den Griff zu bekommen. Auch wenn statistisch gesehen unser Land in Sachen „arbeitende Arme“ in der Europäischen Union nicht schlecht da steht, nimmt dieses Problem sukzessive zu. Das liegt daran, dass viele neue Jobs sogenannte „Billigjobs“ sind, sagt Ides Nicaise vom Löwener Arbeits-Institut dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion:

„40 % der neuen Arbeitsstellen sind zum Beispiel Teilzeitjobs. Und rund die Hälfte dieser Jobs werden mit den niedrigsten Gehaltsstufen entlohnt. Das entspricht in etwa den 20 % der am schlechtesten Bezahlten Arbeitsplätzen in der Vergangenheit.“

Daneben hat sich aber auch die Situation der Arbeitslosen in den vergangenen 10 Jahren deutlich verschlechtert. Die Zahl der Arbeitslosen, die unter die Armutsgrenze fallen, steigt kontinuierlich, so das Löwener Institut für Arbeit.

Die Arbeitslosenentschädigung werde seit einigen Jahren systematisch verringert. Hinzu kommt noch, dass rund 30 % derer, die als Arbeitslos oder Arbeitsuchend gemeldet sind, überhaupt kein Arbeitslosengeld mehr erhalten und auf Sozialhilfe leben, so Nicaise.

Jugendliche und Einwanderer

Das betrifft auch vermehr junge Menschen, also Neulinge auf dem Arbeitsmarkt, so Ides Nicaise: „Die Wartezeiten wurden verlängert, die Dauer der Rechte wurde verkürzt und es wurden viele neue Bedingungen eingeführt. Deshalb gelingt es vielen Jugendlichen gar nicht erst, in den Genuss von Arbeitslosengeld zu kommen.

Eine andere Kategorie, die darunter fällt, sind die Einwanderer, die nach Belgien gekommen sind, die aber ebenfalls noch keine Rechte in unserem Land aufbauen konnten, um unter den Schutz der sozialen Sicherheit zu fallen.“ Auch sie erhalten kein Arbeitslosengeld, wenn sie Arbeit suchen oder ihren Job schnell wieder verlieren.