Anwalt von Dutroux will ihn aus dem Gefängnis frei bekommen

Bruno Dayez, der vor einigen Monaten als neuer Anwalt des Kinderschänders und mehrfachen Mörders Marc Dutroux eingestellt wurde, will seinen Mandanten spätestens in vier Jahren frei bekommen haben. Das sagte er der Zeitung Het Nieuwsblad und bestätigte er gegenüber der VRT-Redaktion. Bis dahin wolle er die Haftbedingungen von Dutroux verbessern, so der Anwalt.

Der wohl berüchtigste Verbrecher Belgiens, Marc Dutroux, sitzt wegen der Entführung von Laetitia Delhez und Sabine Dardenne und des Mordes an An Marchal, Eefje Lambrecks, Julie Lejeune und Mélissa Russo seit 1996 im Gefängnis. Er wurde hierfür 2004 zu einer lebenslangen Haftstrafe mit anschließender 10-jähriger Sicherungsverwahrung verurteilt. Die Möglichkeit, dass er jemals freigelassen wird, ist also sehr klein.

Doch diesem Punkt stimmt Dayez nicht zu: "Ganz und gar nicht. Ich glaube, dass es tatsächlich eine Möglichkeit auf eine vorzeitige Haftentlassung für Dutroux gibt. Nach 25 Jahren Haft, also im Jahr 2021, sollte er freikommen dürfen. Daran arbeite ich nun."

Für den Anwalt geht es in erster Linie um eine Grundsatzfrage: "Ich glaube nicht an lebenslang. Ein Gefängnis ist kein Friedhof oder Hungerturm. Sie können Menschen nicht bis zu ihrem Tod aus der Gesellschaft verbannen. Auch nicht Marc Dutroux. Nach 25 Jahren Haftstrafe müssen Sie das von Psychiatern überprüfen lassen: Entweder ist er ein besserer Mensch geworden und dann verdient er eine zweite Chance oder er hat sich nicht geändert, dann bedeutet das, dass unser System nicht funktioniert. Und dann müssen wir unser gesamtes Gefängniswesen reformieren."

Auch in ein Kloster wie seine Ex-Frau?

Dutroux in einem Kloster unterzubringen, wie das zuvor mit seiner Ex-Frau Michelle Martin gemacht wurde, scheint dem Anwalt die plausibelste Lösung zu sein: "Das ist eine Möglichkeit. Hausarrest mit einer Fußfessel ginge auch. Wir müssen in jedem Fall dafür sorgen, dass sich Marc Dutroux nicht so einfach frei bewegen kann. Nicht weil er eine Gefahr darstellt, sondern weil er dann selbst in Gefahr wäre", so Dayez.

Bis zur Freilassung will der Anwalt die Haftbedingungen seines Mandanten im Gefängnis von Nivelles verbessern: "Marc Dutroux muss in den Genuss derselben Rechte kommen wie die anderen Häftlinge. Das bedeutet, dass seine Briefe nicht geöffnet werden dürfen, dass er mehr Besuche erlaubt bekommt und dass er mehr Kontakt zu anderen Häftlingen erhalten muss. Derzeit wird er von anderen Gefangenen vollständig isoliert. Man sagt, dass das zu seiner eigenen Sicherheit geschehe. Sollte das stimmen, beweist das einmal mehr das Versagen unseres Systems: Gibt es tatsächlich keine andere Möglichkeit, das Leben eines Menschen zu schützen, als ihn von allen anderen Menschen zu isolieren?"

Justizminister: "Das geht gegen das Rechtsverständnis der Menschen"

Justizminister Koen Geens (CD&V) schätzt die Möglichkeit einer Freilassung von Dutroux als sehr klein ein. "Ich meine zu wissen, dass es einige Menschen in unserem Land viel schwieriger haben, vorzeitig freigelassen zu werden als andere und ich gehe davon aus, dass Herr Dutroux darunter ist. Die Frage ist, ob das Rechtsverständnis der Menschen damit leben könnte und ich denke, dass die Antwort auf die Frage ganz und gar negativ ist", betonte der Justizminister.