Belgiens König plädiert für inklusive Gesellschaft

"Eine Gesellschaft, in der sich niemand ausgeschlossen fühlt", in der wir "über die Unterschiede hinwegsehen" und voneinander und miteinander lernen, hierfür plädiert König Philippe in seiner Rede zum Nationalfeiertag an diesem Donnerstag. Die Ansprache erfolgt traditionell einen Tag vor dem eigentlichen Feiertag am morgigen 21. Juli in Belgien.

Die Gesellschaft könne nur einen Nutzen aus der neuen Dynamik unserer Wirtschaft und an unserem Arbeitsmarkt ziehen, wenn sie inklusiv sei, so der König.

Und damit das gelinge, müsse man voneinander und miteinander lernen. Wichtig sei auch, dass wir lernten, Fakten, richtig einzuordnen, damit wir uns eine eigene Meinung bilden könnten. Wörtlich heißt es in der Rede von König Philippe: "In einer Zeit, in der Wissen unmittelbar und überall verfügbar ist, ist es wichtig zu lernen, Fakten richtig einzuordnen. Nur so sind wir imstande, uns Werturteile zu bilden und sachkundige und verantwortungsbewusste Entscheidungen zu treffen."

Zwei persönliche Erfahrungen, die der König nennt, fallen auf. So erwähnt der König vor dem Hintergrund des Lernens am Arbeitsplatz das Vorbild des erfolgreichen Modells der dualen Ausbildung in der Schweiz. Man müsse die Synergien zwischen Ausbildung und Betrieben fördern, denn das sorge für Dynamik auf dem Arbeitsmarkt und schaffe mehr Chancengleichheit, ist der König überzeugt.

Als weiteres Beispiel, wie wir voneinander lernen können, nennt er die Begegnung mit einer anderen Kultur. "Vor anderthalb Monaten habe ich das Fastenbrechen in einer belgischen muslimischen Familie gefeiert. Ich war beeindruckt, wie sich jedes Familienmitglied in die Gesellschaft einbringt. Ich habe sehr viel darüber gelernt, was das Fasten und das gemeinsame Zusammenkommen in der Familie und mit Freunden für sie bedeutet. Als ich spätabends ihr Haus verliess, wurde ich von ihren Nachbarn empfangen. Sie boten mir Wein an und erzählten mir, wie glücklich sie seien, in ihrem Viertel zu leben. Ich war stolz zu erleben, dass bei uns zwei so unterschiedliche Ausdrucksformen einfacher und echter Gastfreundschaft Seite an Seite bestehen können", führt der König aus.

Dies sei zwar nicht überall so, doch bestehe in diesem Land "mehr als wir es manchmal glauben, eine Wertegemeinschaft", "über alle Unterschiede hinweg."

Sein Tipp: "Versuchen wir zu lernen im Kontakt miteinander. Sprechen Sie einmal mit jemandem aus Ihrer Umgebung, den Sie nicht kennen und Sie werden entdecken, dass Sie mit ihren Nachbarn dieselben Fragen, (...), dieselben Träume teilen."

Hilfsinitiativen sind die Perlen für unsere Gesellschaft

Der König unterstreicht in seiner Ansprache vor allem auch die Wichtigkeit der Solidaritäts- und Hilfsinitiativen in diesem Land. "Solche Initiativen sind echte Perlen für unsere Gesellschaft. Sie enthüllen uns den Reichtum, der in den Schwächsten steckt", so König Philippe.

Unsere Gesellschaft könne nur einen Nutzen aus der neuen Dynamik und dem aufkommenden Optimismus in unserer Wirtschaft und an unserem Arbeitsmarkt ziehen, wenn "wir jeden Tag lernen wollen, von denen, die uns vorausgehen, von denen, die uns nachfolgen, von unseren Nachbarn und von denen, von denen wir vermeintlich denken, dass sie so verschieden sind. Über die Unterschiede hinwegsehen, mehr braucht es dazu nicht", schließt der König seine Rede, die er in den drei offiziellen Sprachen Belgiens (Niederländisch, Französisch und Deutsch) hält und wünscht allen, gemeinsam mit der Königin, einen schönen Nationalfeiertag!