Belgiens Frittenbuden sind jetzt Kulturerbe

Die Frittenbudenkultur ist in den belgischen Bundesländern Flandern und Wallonien schon vor einiger Zeit in die Liste des Immateriellen Kulturgutes aufgenommen worden, doch in diesem Monat steht fest, dass die Frittenbuden in ganz Belgien zum Kulturgut erklärt wurden. Die Frittenback-Verordnung der EU konnte diesem Vorhaben nichts anhaben, ganz im Gegenteil.

Mit der Aufnahme der Frittenbudenkultur in die Inventarlisten für das Immaterielle Kulturerbe der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens und der Region Brüssel-Hauptstadt in den vergangenen Wochen und Monaten ist diese Kultur endgültig zu „belgischem Kulturgut“ geworden. Übrigens, eine Frittenbude wird auf „Belgisch“ auch gerne „Fritkot“ genannt. Ein „Kot“ ist übrigens in Belgien auch ein allgemeingültiger Ausdruck für eine Studentenbude…

Nach Ansicht von Bernard Lefèvre, Vorsitzender der Nationalen Vereinigung der Fritürenbetreiber (Navefri-Unafri), war diese Anerkennung aber kein leichtes Unterfangen: „Das hat lange gedauert. Doch ich glaube, dass jeder hier der Ansicht ist, dass die Fritten für unser Land wichtig sind.“

Laut des Frittenverbandes ist die Kultur der belgischen Frittenbuden ein Brauch, der durch das Zusammenwirken von verschiedenen Fähigkeiten, von Wissen und Gebaren und von Traditionen verbunden mit der Produktion, der Verarbeitung, der Bereitung, dem Servieren und dem Verzehr von frischen Fritten gestützt ist. Die Frittenbude, als Ort der Herstellung und des Vertriebs der frischen belgischen Fritten, ist das Symbol dieser Kultur, die wiederum eine typische belgische Lebensweise widerspiegelt.

Ein nächster Schritt könnte eine Aufnahme der Frittenbudenkultur in die Unesco-Weltkulturerbeliste sein, doch dazu wurde bis dato noch nichts entschieden.

Die EU und die Fritten

Die belgischen Fritten sind erstmal gerettet. Die gefürchtete Fritten-Verordnung der Europäischen Union bleibt erst mal nur auf eine Empfehlung beschränkt. Demnach sollen die Hersteller, darunter auch die rund 5.000 hiesigen Frittenbudenbetreiber, ihre Kartoffelstäbchen vor dem Frittieren möglichst blanchieren, um den mutmaßlich krebserregenden Acrylamid-Anteil zu verringern. Dies ist aber bis auf weiteres keine Verpflichtung.

Die EU-Kommission will Acrylamid wo möglich aus unser Nahrungskette verbannen. Wie sich Acrylamid in den in Lebensmitteln (Brot, Fritten, Chips und vieles mehr) gefundenen Konzentrationen auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt. Aufgrund von Tierversuchen wird das Produkt jedoch als möglicherweise krebserregend und erbgutschädigend angesehen.

Je länger und je heißer rohe Kartoffelstücke frittiert werden, desto höher dürfte auch ihr Acrylamid-Gehalt liegen. Acrylamid ist ein Nebenprodukt der sogenannten Bräunungsreaktion, die bei Röst-, Back- und Bratvorgängen stattfindet und für die typische Farbe, Duft und Geschmack sorgt. Je dunkler die Fritten sind, desto höher ist wahrscheinlich auch ihr Acrylamid-Gehalt. Belgische Fritten entstehen, wenn rohe Kartoffelstäbchen zwei Mal in heißem Öl oder in Rinderfett gebacken werden: Ein erstes Mal bei rund 150°C und dann nach einer kurzen Abkühlung ein zweites Mal bei rund 175°C.