Es wird auch in Flandern schwerer, Jobs abzulehnen

Das flämische Arbeitsamt VDAB verschärft ab dem 1. Januar 2018 ihre Handhabe der Arbeitsplatzvermittlung für Arbeitslose. Ab diesem Stichtag wird es für die Betroffenen schwieriger, einen vom Arbeitsamt angebotenen Job abzulehnen. In Zukunft wird nicht nur nach dem letzten Arbeitsplatz eines Arbeitsuchenden geschaut, sondern auch nach dessen anderen Fähigkeiten. Flandern setzt damit einen Plan der belgischen Regierung um.

Mit dieser Vorgehensweise bieten sich den Arbeitsuchenden viel mehr Möglichkeiten für passende Jobs. Doch die Herangehensweise des flämischen Arbeitsamtes VDAB sieht auch vor, dass bei unbegründeter Verweigerung eines Jobangebots auch Strafen auferlegt werden können. Doch diese Sanktionen sollen nicht im Mittelpunkt der Arbeitsplatzvermittlung in Flandern stehen, sondern vielmehr die Suche nach passenden Jobs für die Kandidaten.

Dass dabei auch die Fähigkeiten von Kandidaten in den Fokus rücken, die diese in ihrer Freizeit anwenden, soll dabei zusätzliche Möglichkeiten bieten. In der Praxis sieht das so aus, dass ein ehemaliger Büroangestellter auch gut und gerne einen Handwerksjob annehmen könnte, wenn er in seiner Freizeit mit eigenen Händen sein Haus gebaut oder renoviert hat. Oder ein früherer Leiter von Pfadfindergruppen oder Hobby-Trainer von jugendlichen Sportmannschaften könnte einen Job als Teamleiter oder Schichtführer in der Produktion übernehmen.

Die Arbeitgeberverbände im belgischen Bundesland Flandern begrüßen diese Anpassung bei der Jobvermittlung, denn sie können damit aus einem wesentlich größeren Pool an Kandidaten schöpfen, um offene Stellen zu besetzen, auch wenn diese dabei von der klassischen Kandidatensuche abweichen müssen, um auch für sie Neuland zu betreten. Die Gewerkschaften hingegen warnen davor, Arbeitsplatzsuchende zu leicht zu sanktionieren, wenn sie angebotene Stellen begründet ablehnen oder deutlich Jobs, die zu ihrer Ausbildung passen, bevorzugen.

Ein Vorhaben der belgischen Bundesregierung

Für den Bereich Arbeitsvermittlung sind in Belgien Länder und Regionen zuständig. Diese setzen mit der zum Jahreswechsel in Kraft tretenden Maßnahme einen Plan der belgischen Bundesregierung um, die dadurch mit bis zu 20 Mio. € an Mehreinnahmen rechnet.

Dieses Geld soll quasi dadurch eingespart werden, dass Arbeitsuchende rascher einen neue Betätigung finden und dementsprechend weniger Arbeitslosenzulage brauchen.

Trotzdem wies Bundesarbeitsminister Kris Peeters (CD&V) nachdrücklich darauf hin, dass er dazu die Mithilfe von Ländern und Regionen, also von den regionalen Arbeitsämtern (VDAB in Flandern, Forem in Wallonien und ACTIRIS in Brüssel) braucht.