Immer mehr Menschen sind einsam

In Brügge wurden in drei Tagen die Leichen von drei Menschen entdeckt, die völlig alleine schon vor Wochen daheim verstorben waren. Studien belegen, dass das Risiko auf Vereinsamung und soziale Isolierung bei Vierzigjährigen inzwischen genauso groß ist wie bei Sechzigjährigen.
jaco klamer

Eine der verstorbenen Personen in Brügge war 80 Jahre alt, die beiden anderen 41 und 47 Jahre. Vor allem das relativ junge Alter der beiden letzten Verstorbenen sorgte in den hiesigen Medien für Besorgnis. Bisher galt Vereinsamung vor allem als Problem deutlich älterer Menschen.

Studien belegen aber, dass dem nicht mehr so ist. Demnach geben 7 Prozent aller Vierzigjährigen an, vergangene Woche fast immer oder immer einsam gewesen zu sein. Bei älteren Jahrgängen nimmt die Vereinsamung dann weiter zu. Aber in allen Altersgruppen ist Einsamkeit ein immer größeres Problem.

Oft sorgen Gesundheitsprobleme für soziale Isolierung, weil diese oft auch zum einem Verlust der Mobilität führen: Kranke kommen einfach nicht mehr aus dem Haus und können deshalb niemanden treffen. Andererseits ist es aber ebenfalls so, dass vereinsamte Menschen oft Gesundheitsprobleme bekommen. Dieses Risiko ist fast genauso groß wie bei Rauchern oder Schwergewichtigen.

Vereinsamung und soziale Isolation

Häufiger Grund für die Vereinsamung ist auch Armut und Einschnitte ins Leben, wie Scheidung, Arbeitsplatzverlust oder Umzug in eine andere Stadt.

Dass die drei Leichen in Brügge so spät entdeckt wurden, liegt aber wohl auch an der flämischen Eigenart, die Privatsphäre der Mitmenschen ängstlich zu respektieren. So kommt es wohl, dass es den Nachbarn der Verstorbenen nicht aufgefallen war, dass sie diese schon länger nicht mehr gesehen hatten.

Renaat Landuyt, der Brügermeister von Brügge will daran was ändern. Er fordert die Bewohner seiner Stadt auf soziale Netzwerke auszubauen und Kontakte mit den Nachbarn aufzubauen. Auch will er Vereinsamten professionelle Hilfe zukommen lassen.

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