Fipronil: Deutschland „enttäuscht“ von Belgien

"Für mich geht es darum, mit Hochdruck und lückenlos den kompletten Vorgang aufzuklären", sagte der deutsche Agrarminister Christian Schmidt, der morgen mit seinem neuen belgische Amtskollegen Denis Ducarme telefonieren will. Schmidt reagierte auf die Meldung, dass belgische Behörden bereits seit Anfang Juni über einen Fipronil-Verdachtsfall bei Eiern informiert waren. Sie hielten die Information wegen der laufenden Ermittlungen zunächst zurück.

Die belgische Agentur für die Lebensmittelsicherheit verteidigte die Entscheidung, erst am 20. Juli andere europäische Länder zu informieren. Man habe erst Informationen über die Dimension des Problems sammeln müssen. Dass belgische Verbraucher nicht früher informiert worden seien, stehe im Einklang mit europäischen Regeln, da die Höchstwerte von Fipronil in Eiern in Belgien nicht erreicht worden seien.

„Lückenlose Aufklärung“

Schmidt forderte nun ganz besonders die Behörden in Belgien und den Niederlanden auf, "den Sachverhalt zügig und lückenlos" aufzuklären. Die Verantwortlichen für den Lebensmittelskandal müssten in den beiden Staaten zudem strafrechtlich verfolgt werden.

Schmidt mahnte eine lückenlose Klärung der Vorgänge an. Zentral sei vor allem, wo im Handel oder anderswo sich noch kontaminierte Eier befinden könnten, die dann aus dem Verkehr zu nehmen seien. Deutschland tauscht Informationen mit den Niederlanden und Belgien aus. Verbotene Verwendung des Insektengifts Fibronil bei Hennen sei nicht hinnehmbar und müsse von der Justiz geahndet werden, sagte der deutsche Landwirtschaftsminister.

EU: Situation unter Kontrolle

Nach Einschätzung der EU-Kommission ist die Situation unter Kontrolle. Die Höfe seien identifiziert, Eier geblockt, verseuchte Eier vom Markt genommen, sagte eine Sprecherin der Brüsseler Behörde.

Nach Angaben des deutschen Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) gibt es vorerst keine Befunde für einen möglicherweise gesundheitsschädlichen Gehalt an Fipronil pro Kilogramm Ei. Bisher vorliegende Daten lägen „um einen Faktor zehn unterhalb“ des kritischen Werts, bis zu dem eine Gefährdung für Erwachsene wie Kinder unwahrscheinlich sei. Dieser Wert gelte sowohl für lose Eier als auch für verarbeitete Produkte. Generell gelte: „Fipronil hat in Eiern nichts zu suchen“, sagte BfR-Abteilungsleiterin Monika Lahrssen-Wiederholt.

Der Versorgungsgrad mit Eiern aus eigener Produktion liegt in Deutschland bei 67,3 Prozent. Um die Nachfrage auf dem deutschen Markt komplett decken zu können, muss der Rest aus dem Ausland importiert werden. Häufige Bezugsquellen für Eier sind Nachbarländer wie die Niederlande, Belgien oder Polen.