Eierkrise: 57 Unternehmen in Belgien untersucht

In dem Skandal um mit dem Insektizid Fipronil belasteter Eier hat der belgische Landwirtschaftsminister Denis Ducarme (MR) bekannt gegeben, dass in Belgien 57 Unternehmen überprüft würden. Einige von ihnen hatten Kontakt zu dem niederländischen Unternehmen Chickfriend. Das soll für die Verseuchung der Eier mit dem Insektizid verantwortlich sein.
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Es ist das erste Mal, dass konkrete Zahlen für Belgien bekannt gegeben worden sind. Die 57 Betriebe dürfen vorläufig keine Eier mehr in den Handel bringen.

Wie die Zeitungen Het Laatste Nieuws und Het Nieuwsblad schreiben, habe die Lebensmittelagentur die Eier in Belgien bislang nicht auf das verbotene Insektizid Fipronil untersucht. Erst als ein Privatunternehmen aus Sint-Niklaas Anfang Juni selbst Alarm schlug, dass es Fipronil in einer Ladung Eier gefunden habe, sei die Agentur hellhörig geworden.

Minister Ducarme erwartet von der Nahrungsmittelagentur in Belgien und auch von den europäischen Kollegen in jedem Falle mehr Transparenz. Er wird sich mit den Niederlanden treffen.

"Ich fordere Transparenz bei der Kommunikation. Jeder hat festgestellt, dass das potenziell ein europäisches Problem ist. Wir sollten alle gegenseitig Transparenz zeigen. Ich werde in den nächsten Tagen meinen holländischen Kollegen treffen", betonte Ducarme in der VRT.

Der Minister will auch zu seinen deutschen Kollegen kontaktieren.

Vorläufige Analysen haben ergeben, dass die Belastung der Eier mit dem Insektizid Fipronil in Belgien weniger konzentriert ist als in den Niederlanden. Es wird davon ausgegangen, dass die belasteten Eier in Belgien nicht gesundheitsgefährdend sind.

Als Auslöser der Krise gilt ein Desinfektionsmittel, mit dem Blutläuse bei Geflügel bekämpft werden. Diesem wurde Fipronil beigemischt. In der EU ist der Einsatz von Fipronil bei Nutztieren wie Hühnern jedoch verboten. In höheren Dosen kann Fipronil beim Menschen zu Übelkeit, Erbrechen und Kopfschmerzen führen.

Noch erfolgen die Tests offenbar im Ausland

In Kürze wird mit dem Ergebnis der derzeit durchgeführten Kontrollen an belgischen Eiern gerechnet. Offenbar erfolgen die Fipronil-Kontrollen noch nicht in Belgien. Doch sollen sie schon sehr bald auch hierzulande durchgeführt werden können. Die Nahrungsmittelagentur hat geantwortet, dass die anerkannten Laboratorien ab Anfgang dieser Woche imstande sein würden, Analysen in Belgien durchzuführen.

Ab jetzt beginnt die Überwachungsphase, was bedeutet, dass noch mehr Kontrollen über die 57 verdächtigen Betriebe hinaus durchgeführt werden. "Insgesamt macht das 86 Geflügelproduktionen, die durch die Nahrungsmittelagentur identifiziert wurden", heißt es in einem Pressebericht des Ministers.

Wer hat zu welchem Zeitpunkt informiert?

In Europa existiert das so genannte Rapid Alert System, ein europäisches Schnellwarnsystem für Lebensmittel und Futtermittel der Europäischen Kommission. Das System schließt ein, dass ein Mitgliedstaat die anderen Mitgliedstaaten unterrichten muss, sobald sich ein Problem mit der Lebensmittelsicherheit hervortut.

Die Frage, die an diesem Montag im Pressebriefing gestellt wurde, war, ab welchem Zeitpunkt Belgien die anderen europäischen Mitgliedsländer informiert hat.

Doch die Europäische Kommission wich zunächst aus. Es liefen gerichtliche Untersuchungen in Belgien und in den Niederlanden, hieß es. Man könne sich da nicht einmischen. Nach erneuter Nachfrage, gab die Kommission zu, dass Belgien Europa am 20. Juli davon unterrichtet habe.

Es ist also noch nicht geklärt, warum die Kommission nicht schon früher unterrichtet wurde, denn Belgien wusste bereits seit Anfang Juni von den belasteten Eiern.