Historisch: Nafissatou Thiam holt WM-Gold

Die belgische Siebenkämpferin Nafissatou “Nafi” Thiam (22) ist Weltmeisterin. Bei der Leichtathletik-WM in London gewann sie die Goldmedaille vor der Deutschen Carolin Schäfer und der Niederländerin Anouk Vetter. Damit erwies sich die Olympia-Siegerin von 2016 in Rio erneut als beste Siebenkämpferin. Und dieser Sieg ist aus belgischer Hinsicht historisch, denn noch kein Athlet aus unserem Land gewann bisher bei einer WM die Goldmedaille.
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Der Weg zum Gold für Nafi Thiam öffnete sich bereits am Samstag mit dem 100 m Hürdenlauf. Hier lief sie nach einem mäßigen Start 13“54, ihre bisher zweitbeste Zeit. Doch erst in der Schlussphase drehte sie dabei auf. Danach folgte mit dem Hochsprung ihre Paradedisziplin. Sie flog über 1,95 m, gewann hier und übernahm damit die Führung. Auch das Kugelstoßen gewann sie mit 15,17 m deutlich.

Schwachpunkte bei Nafi Thiam sind im Siebenkampf die Laufdisziplinen. Auf den 200 m legte sie eine Zeit von 24“57 hin und musste die Führung an die deutsche Konkurrentin Carolin Schäfer abgeben. Damit beendete die Belgierin Tag 1 in London als Zweite. Doch schon im Weitsprung am Sonntag holte sie sich die Führung wieder zurück. Mit 6,57 m gewann wie diese Disziplin denn auch.

Jetzt galt es mit dem Speerwurf Abstand zur Konkurrenz zu schaffen, doch ihre beiden ersten Versuche waren eher mäßig. Doch Thiams finaler Wurf landete bei 53,93 m und damit lag sie vor den von ihr gefürchteten 800 m weit vorne. Hier durfte sie angesichts ihrer Punktezahl 12 Sekunden langsamer laufen, als die Gesamtzweite Schäfer. Dies gelang, denn zunächst blieb sie im Windschatten der Deutsche, die zwar schneller wurde, doch nicht schnell genug. Damit holte sich Nafi Thiam den Titel vor Schäfer (6.696) und Anouk Vetter (6.636) mit 6.784 Punkten.

"Ich bin sehr stolz auf diesen Titel"

Nach dem Titel im Siebenkampf sagte Thiam, dass sie sehr stolz auf diese Medaille ist: „Einen Weltmeistertitel gewinnen ist enorm.“ Nafissatou Thiam ist der erste belgische Athlet, der jemals einen Weltmeistertitel erzielen konnte. Doch dies sorgt für einen gewissen Druck und nach dem Olympia-Gold in Rio 2016 ganz besonders wohl im eigenen Land: „Es ist nicht evident, Weltmeister zu werden, schon gar nicht in Belgien. Das war ein tolles Jahr, doch das wird nicht immer so sein. Jeder glaubt jetzt, dass ich unbesiegbar bin, doch ich begreife sehr gut, dass ich das nicht bin. Wenn ich so verrückt wäre, dies zu glauben, dann würde ich eines Tages ganz tief abstürzen.“

Man müsse mit dem Füßen auf dem Boden bleiben, so die frischgebackene Goldgewinnerin. Auch sie fühle die Euphorie von jemandem, der Großes geleistet hat, doch man müsse jetzt vorsichtig sein, „sonst läuft du schnell gegen eine Wand.“ In erster Instanz wolle sie aus diesem Sieg die Motivation ziehen, wenn es einmal nicht so gut läuft, sagte die erst 22 Jahre alte Spitzensportlerin aus der Provinz Namür.

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