Flandern: Denkmalschutz muss öfter eingreifen

Im vergangenen Jahr haben die Inspektoren der Denkmalschutz-Behörde im belgischen Bundesland Flandern 132 Besitzern von denkmalgeschützten Gebäuden ein Strafmandat ausgestellt. Noch nie wurden so viele Verstöße gegen die Denkmalschutz-Auflagen in Flandern festgestellt und geahndet. Ein neues Kulturerbe-Dekret ermöglicht den Behörden, hier strenger aufzutreten.

Verstöße gegen die Denkmalschutz-Auflagen können mannigfaltig sein und gehen von Renovierungen oder Restaurierungen ohne Respekt für schützenswerte Substanz über Arbeiten ohne Baugenehmigung bis hin zum Abriss von im Denkmalschutz-Register aufgenommenen Bauten oder zum Verfall von entsprechenden Gebäuden.

Durch das 2016 in Kraft getretene neue flämische Kulturerbe-Dekret können die Inspektoren der Denkmalschutz-Behörde strenger vorgehen. Doch bevor sie zur Ausstellung zu Strafmandaten übergehen, stellen sie den betroffenen Immobilienbesitzern Mahnungen aus. Werden diese wiederholt ignoriert, dann schaltet die Inspektion einen Gang höher und bezieht die Landesbehörden in den Vorgang mit ein.

In den meisten Fällen ging es im vergangenen Jahr um Aufforderungen, ein historisches Gebäude aus dem Denkmalschutzbestand in seinen ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Das betraf sowohl nicht genehmigte und den geschützten Zustand verletzende Umbauten, als auch Forderungen, etwas gegen den Verfall von solchen Bauten zu unternehmen.

Der Maßnahmenkatalog, aus dem die Kulturgutschützer in Flandern schöpfen können, ist recht umfangreich, zumal das neue Dekret weitere Möglichkeiten bietet, die die regionale flämische Tageszeitung Het Belang van Limburg dazu meldete: Bußgelder, außergerichtliche Einigungen, Baustopp, Zwangsgelder bis hin zur Rückerstattung von Zuschüssen für Renovierungen oder Restaurierungen. Der Weg vors Gericht ist oft nicht mehr weit. Doch Gerichtsverfahren dauern hierzulande sehr lang und gerade wenn es sich um den Verfall von historischer Bausubstanz handelt, ist eher Eile geboten.

Nachlässige Eigner nicht belohnen

Birgit Van Damme von der flämischen Landesagentur für das Kulturerbe sagte gegenüber Het Belang van Limburg dazu, dass Besitzer von denkmalgeschützten Gebäuden, die an ihrem Besitz kein Interesse zeigen, dafür nicht belohnt werden: „Einmal in die Liste der geschützten Kulturgutes aufgenommen, ist da im Prinzip nichts mehr dran zu ändern. Kulturgut bewusst verfallen zu lassen, steht im Gesetzbuch als Straftat festgeschrieben.“

Manchmal nehmen die flämischen Denkmalschutzbehörden auch eine Sache selbst in die Hand. Im Falle des Schlosses von Heers (kl. Foto) in der Provinz Limburg übernahm die Kulturerbe-Agentur die Unkosten für die Installation eines provisorischen Daches, um den weiteren Verfall eines Nebengebäudes zu stoppen.