Viele Anmeldungen in Flanderns Lucerna-Schulen

Die Zahl der Einschreibungen in den Lucerna-Schulen im belgischen Bundesland Flandern ist deutlich angestiegen, wie ein Sprecher der türkischen Schulgruppe gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion sagte. Schon jetzt meldeten sich rund 400 Schüler mehr an, als im vergangenen Jahr. Die Lucerna-Schulen sind Mittelschulen, die zur Gülen-Bewegung gehören, die nach Ansicht der türkischen Regierung hinter dem vereitelten Putsch im vergangenen Jahr sitzt.

Durch den innertürkischen Konflikt, den der vereitelte Putsch gegen die Regierung von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan ausgelöst hat, ging die Zahl der Lucerna-Schüler im vergangenen Jahr merklich zurück. Erdogan machte die Bewegung seines früheren Mitstreiters Fetullah Gülen für diesen Staatsstreich verantwortlich, was auch für Probleme zwischen Anhängern und Gegnern der AKP-Regierung im europäischen Ausland sorgte - auch und gerade in Belgien, wo sehr viele Türken (auch solche mit belgischer Staatsangehörigkeit) Erdogan treu ergeben sind.

Dies spürten auch deutlich die hiesigen Lucerna-Schulen, deren Ziel es ist, Mittelschüler adäquat auf ein Studium auf Universitäts- oder Hochschulebene vorzubereiten. Vor dem Start des neuen Schuljahrs haben sich die Schülerzahlen aber wieder erholt. Angaben eines Sprechers der Lucerna-Schulen in Flandern ging die Zahl der türkischen Schüler allerdings zurück. Hinzugekommen seien aber viele andere neue Schüler mit anderen Nationalitäten.

Nach dem Putsch richteten sich verbale und auch schachbeschädigende Angriffe gegen Lucerna-Schulen und nicht wenige türkische Familien scheuten es seinerzeit, ihre Kinder dort weiter unterrichten zu lassen. Im vergangenen Schuljahr folgten alleine in Flandern rund 1.200 Schüler dem Unterricht in einer der Lucerna-Schulen. Dieses Jahr, knapp zwei Wochen vor dem neuen Schulanfang, liegt diese Zahl bereits bei rund 1.600 Schülern.

"40 verschiedene Nationalitäten und 5 verschiedene Religionsunterrichte"

Fevzi Yildrim, Direktor einer Lucerna-Schule in Brüssel, sagte am Montagabend im VRT-Sender Radio 1, dass die Ruhe wieder eingekehrt sei: „Vorläufig ist wieder alles normal. Die Lucerna-Schulen richten sich nicht ausschließlich an türkische Kinder. Insgesamt habe wir mehr als 40 Nationalitäten unter den Schülern und bieten fünf verschiedene Religionsunterrichte an. Wir sind eine recht multikulturelle Schule.“

Im Verwaltungsrat des Lucerna-Schulwesens in Belgien sitzen auch Sympathisanten aus der Gülen-Bewegung, so Yildrim, doch dies habe keinen Einfluss auf den täglichen Ablauf in den Schulen: „Wir folgen den Lehrplänen des (flämischen (A.d.R.)) Gemeinschaftsunterrichts, unsere Direktorenteams und die Lehrerschaft sind gemischt und wir versuchen, qualitativen Unterricht anzubieten.“