Der Terror in Spanien und der Link nach Belgien

Im Fall der Anschläge auf Barcelona (Foto) und Cambrils sowie dem explodierten Haus in Alcanar konzentriert sich ein Teil der Ermittlungen auf Belgien und zwar auf den dubiosen Imam Abdelbaki Es Satty. Dieser soll sich in der jüngeren Vergangenheit öfter in unserem Land aufgehalten haben, als bisher bekannt. Der islamische Geistliche steht im Verdacht, die Anschläge in Spanien organisiert zu haben und er soll die Attentäter rekrutiert und dazu angestiftet haben.

Abdelbaki Es Satty hat während seines Aufenthalts in Belgien Kontakt zu mehreren Moscheen aufgenommen und in einigen wohl auch gepredigt, unter anderem auch in der Moschee von Diegem bei Brüssel. Doch hier rochen die Verantwortlichen Unrat, denn inhaltlich waren die Predigten des Imams recht radikal und man setzte ihn dort vor die Türe, nicht ohne ihn den entsprechenden Behörden in Belgien zu melden.

Möglicherweise war der aus Marokko stammende radikal-islamistische Imam aus dem spanischen Ripoll sogar noch häufiger in Belgien. Aus Passagierlisten von Flügen zwischen Marokko bzw. Spanien und Brüssel ist ersichtlich, dass sich Es Satty in den Monaten Mai und Juni 2016 ein weiteres Mal in unserm Land aufgehalten hat.

Unbestätigten Berichten zufolge war er vor den Anschlagen in Spanien sogar noch ein drittes Mal hier. Die Staatsanwaltschaft untersucht, ob er hier in Belgien junge Moslems rekrutiert haben könnte, auch wenn in dieser Hinsicht noch keine entsprechenden Hinweise vorliegen.

Bei der Durchsuchung des Terrorhauses in Alcanar, bei dessen Explosion Abdelbaki Es Satty ums Leben gekommen war, fanden die spanischen Ermittler in dessen Sachen übrigens weitere Flugtickets nach Brüssel. Dies melden die Nachrichtenagentur Reuters und spanische Medien auf Basis von Aussagen eines Untersuchungsrichters in Barcelona. Unklar ist allerdings, ob es sich dabei um alte Flugscheine handelt oder um neue und ungebrauchte Tickets.

"Wie ist es möglich?"

Interessant ist im Zusammenhang mit Abdelbaki Es Satty, dass die spanischen Behörden gegen den schon damals als radikal geltenden Imam im Jahr 2014 eine Ausweisung verfügt haben. Und doch konnte er unbehelligt in Europa bzw. innerhalb der Schengen-Zone umherreisen. Und die belgische Polizei hatte aus der Moschee in Diegem (siehe oben) zusätzliche Erkenntnisse gegen den Mann erlangt. Doch offenbar galt er nicht überall als radikal.

Hans Bonte (SP.A) der Bürgermeister von Vilvoorde - eine Stadt, die im Zusammenhang mit islamistischem Terror mehrmals in die Negativschlagzeilen gelangte und jetzt durch den ominösen Imam wieder genannt wird, hat dafür kein Verständnis: „Wie ist es in Gottes Namen möglich, dass man nicht in der Lage ist, solche Informationen innerhalb der Schengen-Zone weiterzugeben?“

Kommunikation?

Dieses Zitat ist von den spanischen Medien übernommen worden, die inzwischen auch die Kommunikation zwischen Belgien und Spanien zu Imam Es Satty unter die Lupe genommen haben. Demnach habe Vilvoordes Bürgermeister angedeutet, dass belgische Behörden nach den Informationen durch die Moscheen von Vilvoorde und Diegem 2016 in Spanien nachgefragt haben, ob etwas in dieser Hinsicht gegen den Imam vorliegt. Dies sei im März 2016 von Spanien aus negativ beantwortet worden.

Jetzt stellen sich die spanischen Medien natürlich die Frage, warum es aufgrund einer offiziellen Nachfrage von Seiten belgischer Behörden zu Es Satty bei den Sicherheitsdiensten des eigenen Landes nicht geklingelt habe… Laut einer offiziellen Reaktion der spanischen Polizei gegenüber der dortigen Nachrichtenagentur EFE habe es keine entsprechende Anfrage aus Belgien gegeben. „Wenn ich so etwas höre, dann falle ich vor Überraschung vom Stuhl“, kommentierte Vilvoordes Bürgermeister Hans Bonte diese Reaktion, die von Spaniens Innenminister Juan Ignacio Zoido übrigens noch bestätigt wurde.