Exhibitionismus: Bürgermeister spricht von 'Randnotiz'

Der Bürgermeister der limburgischen Gemeinde Ham, Dirk De Vis (CD&V), nennt die exhibtionistischen Vorfälle am Albertkanal eine 'Randnotiz' und relativiert die Tatbestände "im Zeitalter von Terrorstufe 3".

In dieser Woche hatte eine Joggerin den Exhibitionisten bei der Polizei angezeigt, nachdem er sich auf der anderen Kanalseite entblößt und selbstbefriedigt hatte. In Het Belang van Limburg erzählt die Frau, dass sie erst dachte, der Mann uriniere oder sie bilde sich die Handlung gar nur ein: "Er blieb stehen, masturbierte und starrte mich an." Vorläufig will die Frau nicht mehr alleine joggen gehen.

Es ist nicht das erste Mal, dass Anzeige gegen einen unbekannten Mann in der Gemeinde erstattet wird, der sich aus sexuellem Lustgewinn in der Öffentlichkeit entblößt.

Bürgermeister Dirk De Vis relativiert die Vorfälle im Radioprogramm De ochtend: "In Zeiten, in denen wir mit Terrorstufe 3 leben, stellen diese keine große Bedrohung dar. Die Polizeidienste haben sicher andere Dinge zu tun, als einen Mann zu suchen, der ab und zu seine Hose sacken lässt. In unserer Polizeizone konzentrieren wir uns u. a. auf Verkehrsaggressionen und Wohnungseinbrüche. Wir leben zudem in einer Gesellschaft, in der die sexuelle Toleranzgrenze hoch liegt. Ein Mann, der auf der anderen Kanalseite die Hose runter lässt, bereitet mir kein Kopfzerbrechen. Das ist eine Randnotiz.“

Insgesamt sind bei der Polizei drei Anzeigen über einen Mann eingegangen, der sich in der Region entblößt und befriedigt. „Ich glaube, dass solche Fälle in jeder Gemeinde vorkommen. Wir wissen selbst nicht, ob es sich immer um denselben Mann handelt. Wenn wir ihn schnappen können, tun wir das. Aber einen Exhibitionisten muss man auf frischer Tat erwischen. Wenn wir ihm im Polizeiwagen auflauern, wird er nicht erscheinen. Und teure Undercover-Missionen sind keine Erfolgsgarantie“, erläuterte der Bürgermeister von Ham am Donnerstagmorgen im Radio.
 

Reaktionen und Gegenreaktion

Der Standpunkt von Bürgermeister De Vis erntete im Laufe des Tages viel Kritik. Auf seiner Facebook-Seite beschwichtigte De Vis die Gemüter und verdeutlichte seinen Standpunkt erneut. Er habe Exhibitionismus nicht minimalisieren wollen und respektiere Menschen und Opfer, die damit konfrontiert werden, betonte der Bürgermeister, der sich bei denjenigen entschuldigte, die einen anderen Eindruck erhalten hätten. "Es ist mir aber nicht möglich, die gesamten polizeilichen Mittel dafür aufzuwenden. Jede Gemeinde oder Stadt in Flandern muss eine Vielfalt an Sicherheitsproblemen lösen, die oft unsere ganze Aufmerksamkeit erfordern. Das ist in Ham nicht anders", so der Bürgermeister.