Soldaten noch bis 2020 in Belgiens Straßen

Die belgische Armeeführung geht nicht davon aus, dass die Soldaten, die seit den Terroranschlägen von Paris und Brüssel neuralgische Orte im ganzen Land bewachen, vor 2020 aus dem Straßenbild verschwinden werden. Inzwischen werden die Trainings der Militärs entsprechend angepasst, schreibt die flämische Tageszeitung De Standaard am Montag.

Die Armee stellt sich offenbar darauf ein, dass die „Operation Homeland“, auch „Vigilant Guardian“ genannt, noch bis mindestens 2020 dauern wird, denn es sei nicht davon auszugehen, dass die Terrorwarnstufe für unser Land so bald gesenkt werden wird. Laut De Standaard ergreift die Armeeführung deshalb Maßnahmen, mit denen diese Art Auftrag für die Soldaten zumutbarer gestaltet werden soll.

Das bedeutet auch, dass die Trainings, die Übungen und die Manöver umgestaltet werden sollen. Das bedeutet zum Beispiel, dass bestimmte Einheiten, die Bewachungsbefehle in den belgischen Städten durchführen, auf bestimmte Übungsarten verzichten können. Das betrifft etwa Großangriffe oder, wie De Standaard schreibt, „schießen aus einem Fahrzeug heraus“.

Belastung der Soldaten analysiert

Die Armeeführung hat in der jüngeren Vergangenheit zwei Mal Umfragen bei den Soldaten zu deren Befinden durchgeführt und dabei festgestellt, dass in erster Linie die psychosoziale Belastung sehr hoch liegt. Generalmajor Marc Thys sagte dazu gegenüber De Standaard, dass man für alle Aufträge ausgebildet sein müsse: „Unser größte Herausforderung sind unsere Leute. Durchschnittlich stehen sie während sechs Monaten Wache in den Straßen. Das muss um ein Drittel gesenkt werden.“

Der Nationale Sicherheitsrat und die Bundesregierung haben Mitte Juli grünes Licht für die Anpassung der Aufträge und Befehle an die Truppe gegeben. Danach wurden die entsprechenden neuen Maßnahmen ausgearbeitet. Im Zeitraum Mitte September/Anfang Oktober sollen sie umgesetzt werden.

Einfache Lösungen

Die Soldatengewerkschaften erinnern derweil ebenfalls an die hohe Belastung für die Wachsoldaten. Militärs, die an der „Operation Homeland“ teilnehmen, sind drei bis vier Wochen nicht zuhause, übernachten in Kasernen und wenn sie wieder zurück zu ihrer Einheit kommen, warten weitere Aufträge oder Manöver auf sie, wodurch sie wieder lange von ihrer Familie getrennt sind. Dies müsse geändert werden, so die Gewerkschaften. Lösungen seien oft recht einfach zu finden, zum Beispiel Manöver nicht über das Wochenende laufen zu lassen.