Unternehmer fordern langsameres Atomaus

Der belgische Unternehmerverband VBO plädiert für einen langsameren Atomausstieg, andernfalls gerate die Stromversorgung in Gefahr und die Preise für Elektrizität würden weiter steigen. Pieter Timmermans vom VBO fordert „mehr Realismus“ in Sachen Atomaus, doch in den Augen von Flanderns Energieminister Bart Tommelein (Open VLD) passt die Atomkraft nicht mehr in einen zeitgemäßen Energiemix.
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In Belgien ist das Abschalten der letzten Atommeiler für das Jahr 2025 vorgesehen. Damit wurde der Atomausstieg hier schon einmal verschoben. Doch für den belgischen Unternehmerverband VBO ist das Timing für das Ende der Atomkraft in unserem Land noch immer nicht ideal.

In gleich mehreren flämischen Tageszeitungen sagt VBO-CEO Pieter Timmermans (kl. Foto), dass der Ausbau von neuen Energiequellen zu langsam verlaufe und dass deshalb das Atomaus ab 2025 unrealistisch sei: „Wenn wir gleichzeitig die Energieversorgung garantieren wollen und die Strompreise unter Kontrolle halten wollen, dann müssen wir vielleicht in Erwägung ziehen, zwei Kernreaktoren über 2025 hinaus am Netz zu lassen.“

Der Unternehmerverband will damit nicht gesagt haben, dass er gegen den Ausstieg aus der Kernenergie in Belgien ist. Den langfristigen Ausstieg aus der Atomkraft mit der Schließung aller Meiler unterschreibt der VBO voll und ganz, doch in Sachen Timung müsse mehr Realität an den Tag gelegt werden, die VBO-Boss Timmermans angibt.

"Passt nicht in die Zukunft"

Flanderns Landesenergieminister Bart Tommelein (kl. Foto) von den flämischen Liberalen Open VLD sieht dies nuancierter: „Die Kernenergie passt für mich nicht in den Energiemix der Zukunft. Die Zukunft ist erneuerbar.“ In einer Reaktion auf die Ausführungen von VBO-Chef Timmermans gibt Tommelein wohl zu, von der Überlegung der Schweizer, einige Meiler am Netz zu lassen, so lange diese sicher sind, beeindruckt zu sein. Auch er fügt hinzu, dass man die Energieversorgung im Zuge der Energiewende in Belgien im Auge behalten müsse.

Tommelein plädiert für einen Energiepakt zwischen allen Beteiligten in Bund, Ländern und Regionen sowie auch auf Umweltschützer-, Unternehmer- und Verbraucherseite. Der flämische Energieminister spielt den Ball allerdings auch ins Unternehmerlager zurück: „Ich warte mit Ungeduld auf die Vorschläge und die Aktionspläne der Unternehmen, um mit an der Energiewende zu arbeiten, denn wir haben noch sehr viele Firmen in Flandern, die auf dieser Ebene noch wichtige Schritte unternehmen können.“