Zehntausende Bürger verlangen moderate Preise für neue Medikamente

Über 40.000 Bürger fordern bezahlbare Preise für neue Medikamente. Die Stiftung Warentest (Test-Aankoop), Ärzte der Welt (Dokters van de Wereld), Krankenkassen und die Dachorganisation der französischsprachigen Patientenverbände haben an diesem Donnerstag der liberalen Gesundheitsministerin Maggie De Block eine Petition hierzu überreicht.
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In der Petition fordern die Bürger bezahlbare Preise für Medikamente, die neu auf dem Markt sind. 

43.000 Menschen haben die Petition unterschrieben. Nach Auffassung der Initiatoren der Petition verlangten die Pharmabetriebe schon seit mehreren Jahren außergewöhnlich hohe Preise für neue Medikamente. So kostet die Behandlung von Hepatitis C mehr als 43.000 Euro pro Patient und die Kosten für die Behandlung von Brustkrebs belaufen sich schnell auf über 100.000 Euro im Jahr, heißt es bei den Unterzeichnern der Petition.

Die Initiatoren zeigten zwar Verständnis für eine entsprechende Finanzierung, um innovative Forschung zu fördern, doch nützten die Konzerne immer häufiger das Argument der Entwicklung von Medikamenten als Ausrede, um ihre Gewinnmargen so breit wie möglich zu gestalten. "Die Philosophie des Profits bleibt nicht ohne Folgen: Langfristig wird sich das auf den Haushalt der Gesundheitsdienste auswirken."

Die Initiatoren kritisieren zudem die Weigerung des Pharmasektors, Forschungs- und Entwicklungskosten für Arzneimittel zu veröffentlichen. So weigerten sich die Unternehmen, trotz der Tatsache, "dass ein Großteil der Hochschulforschung mit öffentlichen Geldern finanziert wird." Der Bürger bezahlt demnach doppelt für die Medikamente: Das erste Mal über die Steuergelder und das zweite Mal über die Krankenkassen. Die Bürger erhielten keinerlei Einsicht in die tatsächlichen Kosten für Forschung, Entwicklung und Produktion.

Die Organisationen und Verbände fordern die Ministerin De Block auf, eine Zusammenarbeit auf europäischer Ebene anzuregen: Es sei höchste Zeit, dass die EU-Migliedstaaten in den Verhandlungen mit dem Pharmasektor über die Preise und die Entwicklung des tatsächlichen Wertes neuer Medikamente ihre Kräfte bündelten, sagen sie. 

Die Unterzeichner der Petition wollen unter anderem eine Veränderung beim Patentsystem. Das räume den Pharmabetrieben noch zu schnell zu viele Monopole ein.

Die Initiatoren wissen um die Komplexität des Problems, heißt es weiter. Sie erklärten sich zu gemeinsamen Beratungen mit Patienten, Ärzten, Akademikern, Nichtregierungsorganisationen, Bürgerinitiativen und anderen Interessengruppen bereit. Außerdem wollen sie eine öffentliche Debatte über die Folgen der hohen Preise und über mögliche Lösungen führen.