"Jod-Tabletten für alle Belgier ab Frühjahr 2018"

Ab dem kommenden Frühjahr wird jeder Belgier Jod-Tabletten über die Apotheken erhalten können. Solche Tabletten sollen im Falle eines Atomunfalls schützen. Nach Angaben des belgischen Innenministeriums gehört dies zu einem von der Bundesregierung erlassenen Aktionsplan für den Fall eines Atomunfalls in unserem Land. Dazu gehört auch die Ausweitung eines Sicherheitsperimeters rund um die Kernzentralen von 20 km auf 100 km.

Seit dem vergangenen Jahr wird das Thema Sicherheit bei einem Atomunfall auch in Belgien wieder diskutiert. Im Zuge der als bedenklich angesehenen Kernkraftwerke mit ihren vielen Pannen und Ausfällen und der Tatsache, dass zwei Meiler zahllose Haarrisse in ihrer stählernen Ummantelung aufweisen, loderten entsprechende Diskussionen wieder auf.

Darauf musste die Bundesregierung eine Antwort finden, zumal die Nachbarländer Niederlande, Luxemburg und Deutschland die Vorkommnisse hier mit Argusaugen beobachten.

Im Zuge dieser Diskussion gaben die belgische Kontrollagentur für Nuklearsicherheit (FANC) und der Hohe Gesundheitsrat von Belgien an, dass der Sicherheitsradius um eine Atomanlage im Falle eines Strahlenunfalls mit 20 km zu klein sei. 100 km, wie in den Niederlanden, seien ein vertretbarer Mindestradius und einem solchen Perimeter stimmte die belgische Bundesregierung jetzt zu.

Zu dieser Maßnahme kommt auch hinzu, dass die gesamte Bevölkerung im Falle eines Atomunfalls mit Jod-Tabletten versorgt werden wird. Ab dem kommenden Frühjahr sind solche Tabletten in den Apotheken verfügbar, hieß es dazu. Davon können alle Belgier profitieren, denn durch die Lage der beiden Atomkraftwerke Doel bei Antwerpen und Tihange in Huy bei Lüttich wäre die gesamte Bevölkerung betroffen…

Kleine Unterschiede

Der Teil der belgischen Bevölkerung, der in einem Radius von 20 km um eine Nuklearanlage herum wohnt, wird bei der Verteilung von Jod-Tabletten bevorzugt, denn schon jetzt verfügen alle dortigen Apotheken über diese Mittel gegen Schilddrüsenkrebs.

Beim Rest der Bevölkerung werden die Risikogruppen, wie z.B. Kinder oder schwangere Frauen bevorzugt, d.h. sie werden so oder so mit Jod-Tabletten versorgt.

Alle anderen Belgier können Jod-Tabletten erhalten, wenn sie diese anfordern. Sie werden nicht automatisch damit versorgt, so der Plan des belgischen Innenministeriums.