Erinnerung an die Juden-Razzia von Brüssel

Die jüdische Gemeinschaft in unserem Land hat der Razzia gegen ausländische Juden im Brüsseler Marollen-Viertel in der Nacht vom 3. auf den 4. September 1942 gedacht. Damals, vor genau 75 Jahren, verhaftete die deutsche Sicherheitspolizei 718 Juden, die sich in der belgischen Hauptstadt versteckt hatten. Im Rahmen einer Konferenz zur Shoah entschuldigte sich Kardinal De Kesel für die Haltung der Katholischen Kirche in Belgien während der Nazizeit.

Zum 75. Jahrestag dieser Razzia, an deren Teilnahme übrigens keine belgischen Polizisten aus der Hauptstadt beteiligt waren - sie hatten sich geweigert, hier mitzumachen, wurde im Marollen-Viertel ein Platz auf den Namen Herschel Grynszpan-Platz getauft.

Dieser Platz bildet die Kreuzung zwischen der Huidevettersstraat, der Spiegelstraat und der Brigittinenstraat in diesem Altstadtviertel.Herschel Grynszpan war ein junger Jude, der in der Huidevettersstraat wohnte. Er hatte 1938 in Paris einen deutschen Diplomaten umgebracht, um mit dieser Tat auf das Los der Juden in Europa öffentlich aufmerksam zu machen.

Dieser Mord war aber auch eine Reaktion auf die Tatsache, dass die Eltern des jungen Mannes kurz zuvor von den Nazis deportiert und in ein KZ gesteckt worden waren.

Am Rande der Einweihung des Herschel Grynszpan-Platzes wurden auch neue Gedenksteine im Straßenpflaster eingeweiht. Diese 41 Pflastersteine sind die ersten „Stolpersteine“, die in Belgien an deportierte Juden erinnern sollen.

Die Rolle der Katholischen Kirche in Belgien

Im Zuge dieser Erinnerung hielt Kardinal Jozef De Kesel, der Primas der römisch-katholischen Kirche in Belgien, in der Kapellenkirche in den Marollen eine Konferenz zur Shoah ab, bei der auch die Rolle der Kirche in unserem Land zur Sprache kam.

Der Kardinal bat dabei die jüdische Gemeinschaft um Entschuldigung für das Schweigen seiner Kirche während der Besetzung durch die Nazis. Michel Lussan von der Vereinigung zur Erinnerung an die Shoah nahm an dieser Konferenz teil und gab an, dies sei ein wichtiger Schritt für seine Gemeinschaft:

„Kardinal De Kesel erinnerte auch daran, dass viele jüdische Kinder in christlichen Einrichtungen in Belgien versteckt wurden und in diesem Zusammenhang entschuldigte er sich auch für das Bekehren dieser Kinder, was er Machtmissbrauch nannte. Das war sehr wichtig, denn das war die erste offizielle Anerkennung dessen durch den höchsten Vertreter der Katholischen Kirche in Belgien.“