KUL-Professor: "Doel 3 und Tihange 2 stilllegen"

Professor Walter Bogaerts, ein hochangesehener Nuklearexperte an der Löwener Universität (KU Leuven) ist der Ansicht, dass die Meiler Doel 3 und Tihange 2, die durch Haarrisse in der Reaktorummantelung international umstritten sind, gut und gerne abgeschaltet werden könnten. Noch immer sei nicht deutlich, wie viele Haarrisse sich im Stahl der Reaktorhüllen befinden würden und deshalb sei ein Atomunfall nicht auszuschließen, so Bogaerts. Belgiens Nuklearwachhund FANC wiederspricht dieser Ansicht.

2012 wurden in den Reaktorummantelungen der Meiler Doel 3 im gleichnamigen Kernkraftwerk bei Antwerpen und Tihange 2 in der ebenfalls so genannten Atomzentrale bei Lüttich Haarrisse festgestellt. Offiziell liegen die Zahlen dieser Risse bei 13.047 im Reaktor Doel 3 und bei 3.149 im Meiler Tihange 2.

Doch laut Professor Bogaerts sei niemals wirklich deutlich geworden, um wie viele Risse es sich dort genau gehandelt habe. Spätere Zählungen und Messungen hätten jedes Mal unterschiedliche Ergebnisse gezeigt. Nach Ansicht von Jan Bens, von der belgischen Kontrollagentur für Nuklearsicherheit (FANC) stellen diese Haarrisse kein Sicherheitsproblem dar.

Walter Bogaerts von der Uni Löwen will sich damit nicht zufrieden geben und fordert neue wissenschaftliche Studien, denn er befürchtet, dass der sich Zustand der Haarrisse verändern kann, was enorme Risiken bilde. Gegenüber der flämischen Tageszeitung De Standaard sagt Bogaerts: „Inspektionen in 2014 ließen nicht nur mehr Haarrisse, sondern auch größere erkennen, als im Jahr 2012.“

„Mehrere ‚Haarrisse‘ sind ‚Risse‘ mit maximalen Abmessungen von 17,9 auf 7,2 cm. (…) Für Doel bedeutet das, dass sich in einigen Bereichen der Reaktorummantelung mehr als 40 Haarrisse pro Kubikdezimeter befinden. Das Argument, dass die Risse nur so dünn seien, wie ein Zigarettenblättchen, hält wissenschaftlich nicht stand. Die stählerne Matrix hängt ganz einfach nicht mehr zusammen.“

Professor Bogaerts sieht für die Meiler Doel 3 und Tihange 2 nur eine Zukunft, „nämlich keine“. Abschließen führt der angesehene Nuklearfachmann an: „Wenn die FANC ihre echte Rolle als Nuklearwachhund ernst nimmt und alle fundamentalen Vorsichtsprinzipien einhält, dann wartet auf diese Zentralen nur noch eine Rolle als Abriss- und Schrottprojekt".