Pläne zur Verbesserung des Nahverkehrs

Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn will den öffentlichen Nahverkehr verbessern, indem er grundlegend verändert werden soll. Das soll in mehreren Lagen geschehen, mit zielgerichteten direkten Bahn-, Bus- und Tramlinien, an denen kleine Linien Anschluss haben. Derweil will die belgische Bahngesellschaft NMBS weitere kleinere Bahnhöfe seltener besetzen und eine Unistudie will einen besseren Fahrplan haben, als die Bahn selbst.

Nach Ansicht von De Lijn, der Nahverkehrsgesellschaft des belgischen Bundeslandes Flandern, soll der Nahverkehr der Zukunft aus vier Schichten bestehen. Rückgrat soll die Eisenbahn sein, sprich die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB. Die Reisenden sollen per Bahn von Stadt zu Stadt fahren. Danach folgt ein Kernnetz mit Bussen und Straßenbahnlinien.

An dieses Netz sollen lokale und regionale Busnetze und -linien Anschluss haben, die weniger oft fahren. Letztes Glied in dieser Reihe sollen individuelle Angebote sein, die aus Rufbussen oder sogar aus Taxis bestehen, die aber wiederum Anschlüsse zu den übergeordneten Systemen haben sollen.

De Lijn-CEO Roger Kesteloot gibt dazu an, darüber mit der lokalen politischen Ebene verhandeln zu wollen, sprich mit den Gemeinde- und Stadträten in Flandern. Und er geht davon aus, dass diese Umstellung „kostenneutral“ sei, sprich keine Mittel aus Steuergeldern braucht. Die Gewerkschaften bei De Lijn vermuten hinter Kesteloots Vorstoß eine Ausdünnung der Angebote und eine versteckte Maßnahme, um weiteres Personal abzubauen.

33 Bahnschalter sollen nur noch seltener besetzt werden

Die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB kündigte unterdessen an, ab dem 2. Oktober 2017 die Schalter von 33 weiteren kleineren Bahnhöfen nur noch seltener mit Personal zu besetzen. Das bedeutet, dass man an diesen Bahnhöfen nur noch Vormittags und nicht mehr an Wochenend- oder Feiertagen persönlich bedient wird, wenn man Fahrkarten mit der dazugehörigen Information buchen will. Hier wird einmal mehr deutlich, dass die Bahn auf Fahrkartenautomaten und auf den Online-Verkauf setzt.

Das von diesen Maß ahmen betroffene Personal soll nicht abgebaut werden, sondern soll an anderer Stelle eingesetzt werden, z.B. als Zugschaffner, denn hier herrscht offenbar noch stets akuter Personalmangel.

Der belgische Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) gibt dazu ab, die wirtschaftlichen Argumente der Bahn durchaus zu verstehen, doch für bestimmte Bevölkerungsgruppen seien Ansprechpartner unerlässlich. Und dabei handele es sich im die nicht unwichtige Kundengruppe der Rentner, die sehr oft mit der Bahn unterwegs sei. Hinzu kämen noch die Personen mit Behinderung. Diese seien ohne Bahnpersonal am Bahnhof regelrecht „aufgeschmissen“.

"So sollen die Züge pünktlicher werden"

Wissenschaftler und Studenten des „Mobility Research Lab“ der Universität Löwen (KU Leuven) haben sich mit der Problematik der permanent verspäteten Züge bei der belgischen Bahn auseinandergesetzt und geben an, eine Lösung gefunden zu haben. Sie sind dabei einen ganz bestimmten Weg gegangen, über den sich kleinere Verspätungen von einzelnen Zügen nicht mehr auf den Gesamtverkehr übertragen und für massive Verspätungen sorgen.

Kernpunkt der Lösung, die in der Doktorarbeit einer Studentin zusammengefasst wurde, ist der sogenannte „Flaschenhals“ Brüssel, denn dort werden die 12 Gleise des Nordbahnhofs und die 22 Gleise des Bahnhofs Süd/Midi durch den Tunnel via Brüssel-Zentral auf nur 6 Gleise zusammengebracht. Das hier schon beim kleinsten Problem Verzögerungen entstehen, ist auch einem Laien schnell klar. Die Lösung soll gefunden werden, in dem die Anschlusszeiten von Zügen außerhalb von Brüssel durch einen längeren Zeitpuffer in den entsprechenden Bahnhöfen verlängert wird.

In einem zweiten Schritt soll die Denkweise der Fahrdienstleiter bei der Bahn umgedreht werden. Die Bahn schaut laut „Mobility Research Lab“ der Uni Löwen zuerst auf die Einhaltung des Fahrplans und erst danach auf die möglichen Gleise für den Zugverkehr. Nach der Studie ist es sinnvoller, zuerst die Gleise zu belegen, um diesen Schritt dann auf den Fahrplan zu übersetzen. Für den einen ist dies bahntechnisches Kauderwelsch, für den anderen aber das „Ei des Columbus“ - was zu beweisen wäre, denn bisher existiert dazu nur eine Theorie auf Papier. Doch die Bahnverantwortlichen wollen die Doktorarbeit zu diesem Thema durchaus interessiert einmal unter die Lupe nehmen.