Nahverkehr: CityPass für Gent und Antwerpen

Gegen Ende dieses Jahres können Pendler und andere Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs in den flämischen Metropolen Gent (Foto) und Antwerpen einen sogenannten CityPass erwerben. Das ist ein Monatsabonnement für die Nutzung von Zügen, Bussen und Straßenbahnen innerhalb des jeweiligen Stadtgebietes inklusive Umland. Ein solcher CityPass soll monatlich 60 € kosten. Inzwischen erinnert sich die Bahn auch an die vielen kleinen Vorstadtbahnhöfe rund um ihre Metropolen.

Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn macht weitere umfassende Schritte in Richtung Modernisierung ihrer Angebote. Jetzt prescht der regionale Verkehrsbetrieb mit einem CityPass für Gent und Antwerpen vor, mit dem man in Gent und Antwerpen alle dort aktiven Verkehrsmittel nutzen kann. Das bedeutet zum einen Busse und Straßenbahnen von De Lijn selbst und zum anderen die Züge der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB.

Ziel ist, in diesen Metropolen und Ballungsräumen Berufspendler dazu zu bewegen, für den Weg zur Arbeit und wieder nach Hause auf der Kurzstrecke auf den eigenen Wagen zu verzichten. Ein solcher Pass soll monatlich mit einem Standarttarif von 60 € zu Buche schlagen. Eventuelle Rabatte für bestimmte Zielgruppen und langjährige Abonnenten müssen noch festgelegt werden, hieß es bei De Lijn dazu.

Ein solcher CityPass stand in Flandern bereits seit rund 10 Jahren in der Diskussion während dies bereits seit Jahren in Brüssel und in den wallonischen Großstädten Lüttich und Charleroi über die dortige Nahverkehrsgesellschaften MIVB/STIB bzw. TEC möglich ist. Die Stadtverordneten für Verkehr und Mobilität in Gent und Antwerpen erhoffen sich vieles von dem CityPass, z.B. eine Entspannung in Sachen Autoverkehr und Parkplätze in ihren Innenstädten. Antwerpen will das System im kommenden Jahr noch weiter auf Taxis, Stadtfahrräder und Stadteilautos ausweiten.

Gute Idee, aber…

Der belgische Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) hält den CityPass für Gent und Antwerpen für eine gute Sache und ist auch der Ansicht, dass ein Standardtarif von 60 € pro Monat in Ordnung ist, auch wenn z.B. in Antwerpen ein Jahresabo für De Lijn rund 300 € kostet - hier sollten Betroffene einmal gut durchrechnen. Auf leichte Kritik stößt hier aber die Tatsache, dass sich der CityPass nur auf den jeweiligen kommunalen Ballungsraum beschränkt und nicht auf das Umland ausgeweitet wird.

So könne man zwar von Zwijndrecht aus mit diesem Monatsabo in die Antwerpener Innenstadt pendeln, nicht aber von Boom aus, obschon diese Gemeinde in etwa gleich entfernt liegt. TTB erinnert daran, dass viele Pendler eben aus dem Umland in die Innenstädte pendeln und die wohnen bei weitem nicht immer im jeweiligen Stadtgebiet einer Metropole. TTB bittet in diesem Zusammenhang auch darum, dass De Lijn und die belgische Bahn ihre Fahrpläne auf interessante Umsteigemöglichkeiten prüfen und anpassen.

Belgien und die Renaissance der kleinen Vorstadtbahnhöfe

Jahrelang hat die belgische Bahngesellschaft NMBS/SNCB ihre kleinen Vorstadtbahnhöfe vernachlässigt und viele von ihnen verfielen zusehends. Doch inzwischen scheint sich die Bahn zu besinnen. Im Zuge der allerdings sehr trägen Einführung des S-Bahn-Systems rund um Brüssel zum Beispiel erfahren einige dieser Bahnhöfchen eine regelrechte Renaissance.

Durch die Tatsache, dass seit einigen Monaten wieder vermehrt Züge an solchen Stationen halten, steigen nachweislich wieder viele Pendler hier auf die Bahn um. Dabei hilft auch der Umstand, dass einige dieser neuen S-Bahn-Linien nicht mehr durch das Brüsseler Zentrum fahren, sondern quasi um Brüssel herum.

Auch rund um Antwerpen werden wieder viele kleine Bahnhöfe in den Fokus der Verkehrsplaner der Bahn gerückt. Und ab Dezember sollen hier mehr Nahverkehrszüge aus dem umliegenden Städten und Gemeinden eingesetzt werden. Jahrelang wurden in Belgien nur die Hauptbahnhöfe gepflegt, denn sie - z.B. Lüttich-Guillemins oder Antwerpen-Zentral - sind nicht zuletzt auch architektonische Ikonen, die sich touristisch gut verkaufen.

Jetzt sollten aber auch die kleineren Bahnhöfe dran sein, denn viele von ihnen befinden sich in einem bedauernswerten Zustand. Will man die Pendler mit neuen Zügen locken, dann muss auch das Umfeld stimmen. Das betrifft in erster Linie die Sauberkeit und die Sicherheit. Hier würde manchmal eine funktionierende Rolltreppe und das eine oder andere Eimerchen Farbe reichen…