Premier Michel verurteilt Bahnstreik vom 10. Oktober

Premierminister Charles Michel (MR - Foto) verurteilt den von der sozialistischen Gewerkschaft ACOD für den 10. Oktober angekündigten Bahnstreik aufs Schärfste. „Einmal mehr werden die Pendler und die Studenten in Geiselhaft genommen“, so der liberale belgische Regierungschef. Michel hält am 10. Oktober seine jährliche Regierungserklärung.

„Ich weiß noch nicht, warum sie streiken. Sie haben auch noch keinen Kontakt mit Verkehrsminister Bellot aufgenommen, um Gespräche zu führen. Ich bedauere diese Situation, wenn sie denn bestätigt wird. Das ist wieder eine Art und Weise, Pendler, die arbeitenden Leute und die Studenten zu geiseln.“, so der Premier, der auch davon sprach, dass die Bahn sich „instrumentalisieren lasse“.

Am 10. Oktober ist die jährliche Regierungserklärung im belgischen Parlament von Premier Michel geplant. Diesen Tag hat sich die sozialistische Gewerkschaft als „Reaktionstag“ im öffentlichen Dienst ausgesucht, um gegen die ihrer Ansicht nach unsoziale Politik der belgischen Mitte-Rechts-Regierung zu protestieren. Die Gewerkschaft ist der Ansicht, dass die Ernennungen und die Renten der Beamten auf dem Spiel stehen.

Inzwischen ruft die ACOD auch in anderen Bereichen des öffentlichen Dienstes auf, sich den Streikankündigungen anzuschließen. Dies ist auch der Fall in unserem Haus, dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk des belgischen Bundeslandes Flandern, VRT. Vor einigen Tagen hatte die sozialistische Postgewerkschaft angekündigt, sich an dem Ausstand zu beteiligen und in verschiedenen Ämtern und Behörden auf Kommunal-, Provinz-, Regional- und Bundesebene wird es wohl auch zu Arbeitsniederlegungen kommen.

Falls sich die christliche Gewerkschaft ACV-Transcom dem Streikaufruf der ACOD anschließt, könnte der Bahnverkehr in Belgien an diesem Tag vollständig lahmgelegt werden. Hier allerdings gaben die Verantwortlichen am Freitag an, der Zeitpunkt, dies zu entscheiden, sei noch zu früh.

 

Kostenfaktor Streik bei der Bahn

Im vergangenen Jahr haben die verschiedenen Streiks und Arbeitsniederlegung bei der Bahn die belgische Eisenbahngesellschaft NMBS/SNCB einen Schaden von rund 14;8 Mio. € zugefügt. Diese Summe nannte Bundesverkehrsminister François Bellot (MR) in diesem Zusammenhang. Diese Summe betrifft in erster Linie die nicht verkauften Fahrkarten bzw. die Entschädigungen, die die Bahn an die Reisenden zahlen mussten. Die Verluste im Güterverkehr sind darin nicht mit einberechnet.