Verkehrschaos nach Unterspülung in Brüssel

Das Loch durch die Unterspülung am Leuvensesteenweg im dichtbewohnten Brüsseler Stadtteil Sint-Joost-ten-Noode sorgt sowohl lokal, als auch regional für Verkehrsprobleme. Inzwischen wird an den technischen Problemen fiberhaft gearbeitet, doch die Folgen werden noch eine Zeit lang spürbar sein. Inzwischen wurde deutlich, dass eine umfassende Kontrolle der veralteten Kanalsysteme in der belgischen Hauptstadt Milliarden kosten würden.

Nach der Evakuierung von Häusern in unmittelbarer Nähe der Unterspülung in Sint-Joost-ten-Noode (davon sind rund 250 Bewohner betroffen) und der Einrichtung von lokalen Umleitungen für den Auto- und den Nahverkehr arbeitet die Brüsseler Wassergesellschaft Vivaqua fieberhaft an der Lösung des Problems. Sichtbar für den Laien ist „nur“ ein riesiges Loch mitten in dieser wichtigen Hauptstraße in Richtung Brüsseler Zentrum. Doch was sich darunter abspielt, ist ein Problem für Fachleute aller Art.

Ein geborstenes Wasserrohr legte Stromkabel und Gasleitungen frei und ließ enorme Mengen Abwasser in den Eisenbahntunnel zwischen dem Nordbahnhof und dem Bahnhof Brüssel-Luxemburg im EU-Viertel strömen. Dieser Streckenabschnitt gehört zur Bahnlinie Brüssel-Namür(-Luxemburg) und ist eine der wichtigsten Achsen zwischen Brüssel und Wallonien.

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Infrabel, der Bahninfrastruktur-Dienstleister der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB, arbeitete die ganze Nacht durch und konnte den meisten Schlamm, der mit dem Wasser auf die Bahngleise geflossen war, wieder entfernen. Doch jetzt müssen rund 700 m Gleise mit entsprechender Sicherheitstechnik erneuert werden. Das dauert mindestens 10 Tage, hieß es dazu bei Infrabel. Inzwischen werden die Züge von und nach Namür über Leuven in Flämisch-Brabant umgeleitet, was natürlich in beiden Richtungen zu Verspätungen führen wird - dies wahrscheinlich für mehrere Wochen.

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Inzwischen leitet die Brüsseler Verkehrsbehörde auch den Verkehr um das Loch im Leuvensesteenweg um. Davon sind nicht nur die Autofahrer betroffen, sondern auch Busse der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB und die der flämischen Nahverkehrsgesellschaft De Lijn auf der Verbindung Brüssel-Löwen. Die Folge sind vorerst verstopfte Nebenstraßen in den Wohnvierteln von Sint-Joost-ten-Noode und Schaarbeek. Pendler, die Fahrkarten oder Abos für die betroffene Bahnlinie haben, dürfen alle Brüssel anfahrenden Nahverkehrsgesellschaften ohne Zuzahlung nutzen, teilten die beteiligten Behörden mit.

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Straßenlöcher durch Unterspülungen

Das Loch im Leuvensesteenweg ist die zweite Unterspülung in Brüssel in nur wenigen Tagen Zeit. In der vergangenen Woche öffnete sich ein solches Loch an einem Stellplatz für Nahverkehrs- und Reisebusse in der Nähe des Brüsseler Zentralbahnhofs und der Brüsseler Kathedrale - zum Glück ohne Folgen für Anwohner oder den eigentlichen Verkehr im Zentrum.

Der zweite Vorfall ist, wie oben zu lesen ist, wesentlich folgenschwerer. Das Problem ist eine vollkommen überalterte Versorgungsstruktur „unter“ der belgischen Hauptstadt. Teilweise wurde hier seit Jahrzehnten nicht mehr genau hingeschaut. Die Unterspülung am Leuvensesteenweg entstand durch ein Loch in einem Kanalrohr aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg…

Fachleute beziffern ein Modernisieren des gesamten Kanal-, Wasser- und Abwassersystems im Brüsseler Untergrund auf rund 20 Milliarden Euro. Das eine solche Summe im kommunalen oder regionalen Haushalt Brüssel nicht zu finden ist, mag niemanden verwundern. Doch damit steht Brüssel nicht alleine. Dies ist der Fall im ganzen Land, in allen Ländern und Regionen bis hin zu kleinen Städten und Gemeinden. Und überall ist das Problem dasselbe: Wasser- und Abwasserrohre, die teilweise über 100 Jahre alt sind. Da schauen die meisten Stadt- und Gemeinderäte lieber weg und lassen „Spaßbäder“ bauen…