Streetart-Kenner: "Masturbierende Frau ist von demselben Künstler"

Schon wieder ist in Brüssel ein Graffiti mit sexuellem Inhalt aufgetaucht. Graffiti-Kenner Björn Van Poucke ist überzeugt, dass das Werk das sechste in einer Reihe von Graffiti-Werken ist, die von ein und demselben Künstler stammen. Er sagt auch, dass wir bald noch mehr davon zu Gesicht bekämen. "Wir erwarten noch mehr Arbeiten."

Gespreitzte Oberschenkel einer Frau und eine Hand dazwischen. Das Bild ist auf der Mauer eines Appartementhauses zu sehen und läßt wohl keinen Zweifel über die Bedeutung offen.

"Das stammt eindeutig von ein und demselben Künstler, genau wie fünf frühere erotische Bilder", sagt Björn Van Poucke, Kenner dieses Genres und Kurator des Streetart-Parcours "The Crystal Ship" in Ostende.

"Es ist die gleiche nüchterne Farbenpalette, denn eine solche Zeichnung muss in wenigen Stunden gemacht werden. Es ist auch die gleiche Art des Ortes wie die fünf anderen, für den sich der Künstler vom Dach abseilen muss", stellt Van Poucke fest.

Wer der Seriensprüher ist, ist nicht bekannt. Der Name Bonom ist bereits gefallen. Er ist ein Pseudonym von Vincent Glowinski. Doch er hat niemals zugegeben, dass die Werke von ihm stammen.

Zuvor waren auch schon ein Penis in Sint Gillis, eine Nahaufnahme einer Penetration und eine Anus-Malerei sowie zwei Variationen von klassischen Werken - ein blutender herab hängender Körper und eine Szene, in der jemandem die Kehle durchgeschnitten wird - an Mauern aufgetaucht.

Lange Winternächte

Nicht zufällig wurden fünf der Wandmalereien letzten Winter angefertigt. "Das geht besser, wenn die Nächte länger werden," lacht Björn Van Poucke, "wie jetzt auch". Er geht davon aus, dass der Künstler weitermacht. "Wir rechnen mit mehr Werken." Ist das Kunst? Selbstverständlich, findet Van Poucke.

Die Mehrzahl der anderen Werke sind noch zu sehen, außer dem Penis, der übermalt wurde. Die Stadt Brüssel unternimmt nichts gegen die Streetart, es sei denn, diese animiert zu Hass und Gewalt. 

Letztlich ist es der Besitzer des Gebäudes, der entscheidet, ob ein Werk zerstört wird oder nicht.

Inzwischen sind im Internet schon Karten mit Reißzwecken aufgetaucht, um auf die Wandmalereien hinzuweisen.

Ein Plan aus Papier wie in Ostende wäre eine gute Idee, findet Björn Van Poucke. Für das Streetartfestival "The Crystal Ship", wurden solche Karten gedruckt. Letztes Jahr sind 70.000 Exemplare davon in Ostende verteilt worden und in diesem Jahr schon 100.000.