Wie eine Bodensenke die Zeitverschiebung brachte

In den Brüsseler Stadtteilen Schaarbeek und Sint-Joost-ten-Noode gehen die Uhren in diesem Tagen schneller. Seit Kurzem beobachten einige Bewohner dieser Gemeinden, dass einige ihrer Uhren schneller ticken als andere. Ein unheimliches Phänomen? Die Erklärung ist einfach und hat mit zwei Löchern in der Stadt zu tun (Foto oben).

Einige Uhren in Sint-Joost-ten-Noode und Schaarbeek haben es in diesen Tagen besonders einig. Sie gehen über Nacht mehrere Minuten vor und dieses Phänomen wird schon seit einigen Tagen bemerkt. Aber, das Problem kann mit einer einfachen physikalische Erklärung erläutert werden: Die besorgten Uhrenbesitzer wohnen in der Nähe der oder am Leuvensesteenweg, wo ein Wasserrohrbruch in den vergangenen Tagen für zwei Bodensenken, bzw. für zwei riesige Löcher in der Straße gesorgt hat.

Um in den von diesem Problem betroffenen Vierteln einige Häuser mit Strom zu versorgen, da die beiden Löcher auch mehrere Versorgungslinien unterbrochen hat, stellte der regionale Stromnetzbetreiber Sibelga große Stromaggregate auf und hier ist die Ursache für diese spontane Zeitverschiebung zu suchen.

Diese Notstrom-Aggregate arbeiten nicht mit den üblichen 50 Hertz, des normalen Stromnetzes, sondern wurden von Sibelga etwas höher eingestellt, damit einige in der Nähe am Netz befindliche Photovoltaikanlagen den Strom der Sibelga-Generatoren nicht aus dem Netz drängten, wie der Netzbetreiber dazu angab.

Diese leicht höhere Netzfrequenz schadet den normalen Haushaltsgeräten, bzw. elektrischen Uhren oder Weckern nicht. Aber es gibt Uhren, die ihren Takt aus der Netzfrequenz ableiten - die sogenannten Synchronuhren und wenn diese Frequenz höher liegt, als die gebräuchlichen 50 Hertz, dann ticken diese Uhren schneller. Das kann auch Funkuhren oder Funkwecker betreffen. Wenn Sibelga die Generatoren wieder abschaltet, dann ticken auch die Uhren der erschrockenen Anwohner wieder richtig.

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Schäden beheben

Inzwischen kündigte der Infrastruktur-Dienstleister der belgischen Bahn, Infrabel, an, die von den Bodensenken unterbrochene Bahnlinie zwischen Brüssel-Nord und Brüssel-Schuman ab Montag wieder in Dienst nehmen zu können. Das erste der beiden Löcher am Leuvensesteenweg tat sich auf Höhe der Jazzstation auf, dem alten Bahnhof von Sint-Joost-ten-Noode.

Darunter verläuft diese Bahnstrecke, doch die Schlamm- und Wassermassen aus dem Rohrbruch, der die Probleme herbeigeführt hat, breiteten sich auch auf diesen Gleisen aus. Infrabel musste rund 700 m Gleise und Gleisinfrastruktur vollständig erneuern und davor die Schlamm- und Wassermassen aufwändig beseitigen.

Inzwischen können alle von den Löchern betroffenen Haushalte wieder über Strom und Gas verfügen. Alle Leitungen konnten wieder hergestellt werden. Die Straßenarbeiten an sich sollen nach Angaben von Emir Kir (PS), dem Bürgermeister von Sint-Joost-ten-Noode, erst ab Ende November beendet werden können. Zuvor gilt es, die gesamten Erdmassen unter den Häusern, der Straße und über den Gleisen wieder zu stabilisieren.

Der Verkehr wird demnach noch wochenlang über die umliegenden Wohngebiete umgeleitet. Das betrifft auch den Busverkehr von De Lijn in Richtung Löwen und der Brüsseler Nahverkehrsgesellschaft MIVB/STIB im innerstädtischen Verkehr.