Skulpturen aus Aachen zu Gast im M Museum Löwen

Die Bildhauerei erlebte während des Mittelalters vor allem in den Niederen Landen eine Zeit des Höhepunkts. Schnitzer aus Brabant und dem heutigen Flandern schafften es wie kaum andere in ihrer Kunst Geschichten zu erzählen. Dabei entstanden Retabels, die nach ganz Europa geliefert wurden. Doch im Laufe der Zeit rückte diese Kunst wieder in den Hintergrund, ja geriet in Vergessenheit. Daran soll eine umfassende Ausstellung im M Museum in Löwen etwas ändern. Besondere Hilfestellung kommt dabei aus Aachen.
Foto: Karel Rondou/M Museum

"Über die Grenze hinweg. Mittelalterliche Bildhauerkunst aus den Niederen Landen" lautet der Titel einer Ausstellung im M Museum in der brabantischen Universitätsstadt Löwen, die in Zusammenarbeit mit dem Suermondt-Ludwig-Museum aus der Stadt Karls des Großen, Aachen, entstanden ist. In Löwen werden fast 100 Skulpturen und Retabels zu sehen sein, die noch nie außerhalb Deutschland gezeigt wurden. Daneben zeigt „Über die Grenze hinweg“ auch 18 Werke aus der Löwener Sammlung. Diese Ausstellung bietet eine breitgefächerte Übersicht über diese Kunst aus den Niederen Landen zu Zeiten der Spätgotik, etwa zwischen 1350 und 1550.

Spannende Suche nach der Geschichte hinter den Werken

Das M Museum bezeichnet die Ausstellung "Über die Grenze hinweg. Mittelalterliche Bildhauerkunst aus den Niederen Landen“ auch als wissenschaftliche Ausstellung, denn viele der hier vorgestellten Retabels, Heiligenbilder, Skulpturen und andere Reliquien - teilweise auch solche aus Elfenbein - sind bis heute kaum identifiziert, d.h. ihre Schöpfer sind nicht oder nur vage bekannt und auch der genaue Zeitpunkt oder Ort der Herstellung steht nicht immer wirklich fest. Gegenüber der Tageszeitung Aachener Nachrichten/Aachener Zeitung sagte der Löwener Ausstellungskurator Peter Carpreau: „Das M Museum möchte der Katalysator für die Erforschung der mittelalterlichen Bildhaukunst sein.“

Nicht selten gehört zur Beschreibung eines der gezeigten Werke als Ort nur eine Stadt oder eine Region, wie z.B. „Brabant“ oder „Südliche Niederlande“. Die Kuratoren haben dazu einen interessanten Ansatz gefunden. Sie stellen für jedes Werk eine Art „Ausweis“ aus, der aus den verschiedensten bekannten Details zusammengesetzt ist.

Damit kann ein Retabel oder eine Figur mehr von sich preisgeben, als nur der Hinweis auf einen eventuellen Herkunftsort. Für eine solche Art der Herangehensweise ist das M Museum über die Grenzen hinweg bekannt, denn hier werden neue Wege gesucht und gefunden, klassische und alte Kunst, Kultur und Geschichte auf eine moderne und zeitgemäße Weise zu präsentieren.

Dabei wird der Staub der althergebrachten Museumskonzeption weggeblasen und die Geschichten öffnen sich leichter für ein modernes und dynamisches Publikum. Eine moderne Herangehensweise an diese Art der Konzeption ist dem Suermondt-Ludwig-Museum in Aachen ebenfalls nicht fremd, denn hier wird auch mit modernen Mitteln erfolgreich um Publikum geworben. Beide Häuser können über die hier vorgestellte Ausstellung also jeweils dem anderen etwas abschauen…

Über 100 Werke aus 200 Jahren Bildhauerei

Aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum wurden in einem aufwändigen Kunsttransport 95 wunderbare Werke nach Löwen gebracht, um sie dort neben 18 Stücken aus dem M Museum vorzustellen. Einige Namen der Bildhauer sind bekannt, andere wiederum weniger und deshalb orientieren sich einige Werke anhand ihrer „DNA“ an Schöpfernamen, die eher Hinweise auf das Geschaffene sind.

Zu sehen sind Werke von Jan Borman aus Brüssel, vom „Meister von Elsloo, von Jan van Steffeswert, von Hendrik Rosen, vom „Meister I.T.“, vom „Meister des Fünfpunktigen Sterns“, vom „Meister Balthasar“ und vom „Meister des Steinernen Frauenkopfs“. Einer der Höhepunkte der Ausstellung ist zweifellos das Petrus-Altarretabel aus dem Herzogtum Geldern aus dem Aachener Suermondt-Ludwig-Museum. Außergewöhnlich ist dieses wohl von zwei Bildhauern etwa um 1500 entstandene Retabel nicht nur wegen seiner Größe, sondern aufgrund eines besonderen Detailreichtums (siehe die Detailfotos unten). Die vielen perfekt gestalteten Figuren in diesem Werk lassen den Betrachter staunen.

Enormer Aufwand

Die Direktoren der beiden Häuser, Peter Bary vom M Museum und Peter van den Brink vom Suermondt-Ludwig-Museum, haben gemeinsam mit dem Kuratorenduo Marjan Debaene und Peter Carprau einen enormen Aufwand an den Tag gelegt, um diese Ausstellung zu konzipieren. Dazu gehört u.a. der logistische Aufwand, denn 95 Werke aus dem Mittelalter und der Spätgotik mussten „mit Samthandschuhen“ in Aachen abgebaut und in Löwen wieder aufgebaut werden.

Die Ausstellung "Über die Grenze hinweg. Mittelalterliche Bildhauerkunst aus den Niederen Landen" bietet einen bisher nie dagewesenen Überblick über diese spezifische Kunst und schon vor der Eröffnung konnten gemeinsam Analysen zu bestimmten Werken angestellt werden, die zur Datierung beigetragen haben.

"Über die Grenze hinweg. Mittelalterliche Bildhauerkunst aus den Niederen Landen“ findet vom 22. September 2017 bis zum 27. Mai 2018 im M Museum Löwen, Leopold Vanderkelenstraat 28, 3000 Leuven. Das Museum ist von Bahnhof Löwen aus in wenigen Minuten zu Fuß zu erreichen und liegt in der Nähe der weltberühmten Universitätsbibliothek am Monseigneur Ladeuzeplein. Auf diesem Platz steht übrigens auch der „Käfer“ von Jan Fabre…

Mehr Info bieten die Webseiten des M Museums in Löwen und des Suermondt-Ludwig-Museums in Aachen.