Belgien: Ryanair weiter im Kreuzfeuer der Kritik

Der irische Billigflieger Ryanair hat jetzt eine Liste der rund 2.000 Flüge veröffentlicht, die bis Ende Oktober gestrichen werden, weil die Airline offenbar irisches Recht zu den Urlaubsbedingungen für ihre Piloten einhalten muss. Jetzt steht nicht ausreichend Flugpersonal zur Verfügung und das Chaos ist komplett. Die Streichungsliste betrifft auch 294 Flüge von und zu belgischen Flughäfen.

Davon betroffen sind 204 Flüge am Charterflughafen von Charleroi und 90 Flüge am Brussels Airport betroffen. Rund 55.000 Flugreisende sind alleine von diesen Annullierungen betroffen. Sie werden oder wurden per Email oder SMS davon benachrichtigt und können entweder umbuchen oder eine Entschädigung (nach EU-Passagiersrecht) beantragen.

Am Montag erinnerte der belgische Verbraucherschutzverband Test Aankoop/Test Achats in einem europäischen Interessenverband Ryanair an seine Verpflichtungen und kündigte bei Ausbleiben dessen juristische Schritte an (siehe nebenstehenden Beitrag).

Ähnliches plant auch jetzt Belgiens Verbraucherschutzminister Kris Peeters von den flämischen Christdemokraten CD&V (kl. Foto). Er beauftragte die Wirtschaftsinspektion unseres Landes damit, den Vorgang zu prüfen. Dabei soll herausgefunden werden, ob die irische Billigfluggesellschaft ihre Fluggäste (aus Belgien) ausreichend über Möglichkeiten zur Umbuchung, zur Rückerstattung von Kosten oder zu Schadensersatz-Anträgen informiert.

Transport-Volkswirt Klaas De Brucker von der Universität Löwen (KU Leuven) gab gegenüber der flämischen Tageszeitung De Morgen an, diese Prozeduren seien derart umständlich, dass nur etwa jeder tausendste betroffene Flugreisende einen solchen Vorgang einleite. Und hier seien ohnehin stets nur 250 € rauszuschlagen. Er selbst habe vor zwei Jahren gegen Vueling nach Annullierung eines Italienfluges geklagt. Bekommen habe er noch nichts, doch der Vorgang habe mittlerweile das Vierfache der Schadenssumme an Verfahrenskosten verschlungen…

Brussels Airlines-Personal bietet (inoffiziell) Hilfe

Offenbar springt das Personal von Brussels Airlines ein, um betroffenen Ryanair-Kunden zu helfen. Die BA-Angestellten teilen massiv ihre Rabattcodes über die sozialen Medien. Ein solcher Code bietet einen Nachlass von 15 % des Flugpreises, wenn man bei Brussels Airlines direkt bucht.

Die Fluggesellschaft selbst gibt an, dass dies eine spontane Entscheidung des Personals nach dem Chaos bei Ryanair sei und will dazu aus „Wettbewerbsgründen“ nicht Stellung beziehen. Mitarbeiter von Brussels Airlines dürfen nach Belieben Rabattcode an Verwandte und Freunde weitergeben, damit diese von Nachlässen auf Flüge profitieren können.