Flandern baut seine Diplomatie weiter aus

Das belgische Bundesland Flandern baut sein diplomatisches Netz in Europa weiter aus und erhöht die Personalstärke in einigen Niederlassungen um mehrere Mitarbeiter. Anfang 2019 soll eine neue Vertretung in der italienischen Hauptstadt Rom eröffnet werden. Flanderns amtierender Ministerpräsident Geert Bourgeois (N-VA - Foto) hat der Außenpolitik seines Bundeslandes zu einer deutlicheren Stimme auf internationaler Ebene verholfen.

Ministerpräsident Bourgeois hatte am vergangenen Montag bei seiner Regierungserklärung zum Start des neuen politischen Jahres nach der Sommerpause angedeutet, dass er weiterhin viel Wert auf die Sichtbarkeit seines Bundeslandes auf internationaler Ebene legt. Dabei wurde auch deutlich, dass der MP sein diplomatisches Netzwerk in Europa weiter ausbauen wird.

2019 soll eine neue flämische Vertretung in Rom eröffnet werden und nach einer Meldung der Tageszeitung De Morgen wird der Personalbestand der Niederlassungen in Brüssel bei der EU, in Berlin und auch in Paris weiter aufgestockt werden. Rom und Italien sind als 5. Handelspartner im Exportbereich Flanderns sehr wichtig und deshalb war es nur eine Frage der Zeit, bis hier eine flämische Vertretung eröffnet werden soll.

In Rom sucht Flandern auch die Nähe zu bedeutenden internationalen Niederlassungen, wie z.B. zum Welternährungsprogramm und zur Lebensmittel- und Agrarbehörde der der Vereinten Nationen und nicht zuletzt auch zum Vatikan. „Diese Niederlassung setzt bei der Verstärkung der heutigen Zusammenarbeit an und auf den Ausbau der politischen Kontakte in Rom selbst und in den verschiedenen autonomen Regionen“; so Bourgeois.

Ministerpräsident Bourgeois ist mehr denn je davon überzeugt, dass Flandern um international mehr Gesicht zu haben, einen eigenen Außenminister und ein eigenes diplomatisches Korps braucht.

Schon jetzt unterhält das belgische Bundesland Vertretungen bei der EU in Brüssel und in den europäischen Hauptstädten Berlin, Den Haag, London, Paris, Warschau, Wien und Genf bei den Vereinten Nationen sowie im südafrikanischen Pretoria und in New York. Seit 2001 hat die Regierung des belgischen Bundeslandes Flandern in der Belgischen Botschaft in Berlin (kl. Foto) eine eigene diplomatische Vertretung, die als Ansprechpartner alle Befugnisse Flanderns vertritt.

"Kein überflüssiger Luxus"

Dem Vernehmen nach erhöht Bourgeois zudem den Personalbestand im flämischen Teil des belgischen Außenministeriums um drei Personen und zwar präzise für die Dauer der Brexit-Verhandlungen. Flandern und Großbritannien bzw. die einzelnen britischen Landesteile sind wirtschaftlich für Flandern äußerst wichtig und deshalb verwundert es nicht wirklich, dass MP Bourgeois hier einen besonderen Fokus auf die Gespräche legen will: „Das ist kein überflüssiger Luxus. Wir müssen proaktiv die Interessen Flanderns verteidigen.“

Was z.B. Belgiens Außenminister Didier Reynders (MR) und einige hiesige Wirtschaftsbosse laut De Morgen nicht unbedingt gerne sehen, bleibt für Flandern und seinen Ministerpräsidenten unerlässlich. Jetzt, wo der internationale Freihandel und die integrierte europäische Zusammenarbeit unter Druck stünden, sei es notwendig, dass Flandern seine eigene Außenpolitik diplomatisch und auch wirtschaftlich verstärke, hieß es dazu weiter.