Genter Museum gibt Erben Kunstwerke zurück

Das Museum für Schöne Künste in Gent (Foto) hat den Erben eines Geschäftsmannes nach über 70 Jahren zwei Gemälde des flämischen Malers Frits Van den Berghe (1883-1939) zurückgegeben. Diese Bilder waren 1940 im Zuge einer nie zustande gekommenen Ausstellung in Antwerpen irrtümlich in Gent gelandet und gerieten in den Kriegswirren in Vergessenheit. Nach dem Krieg konnte der rechtmäßige Besitzer der Bilder nicht mehr ausgemacht werden und seitdem blieben sie im Museum im Lagerbestand.

Die beiden Gemälde des aus Gent stammenden impressionistischen Malers Frits Van den Berghe tragen die Titel „Naakt met sleep“ (1928) und „Twee zittende naaktfiguren“ (1939) und gehörten dem jüdischen Geschäftsmann Emile Henri David aus Gent. Dieser hatte die Gemälde zwecks einer Werkschau des gerade verstorbenen Malers in Antwerpen den Ausstellungskuratoren zur Verfügung gestellt, doch zu dieser Ausstellung kam es durch den Kriegsausbruch und die deutsche Besetzung nicht mehr.

Die Bilder sollten zurückgegeben werden, doch Emile Henri David war zu diesem Zeitpunkt nicht auszufinden. So kamen die Bilder von Antwerpen nach Gent ins Museum für Schöne Künste, wo sie bis jetzt blieben. Auch nach dem Krieg fanden die Museumsverantwortlichen den rechtmäßigen Besitzer nicht und die Gemälde gerieten zunächst in Vergessenheit.

Keine Raubkunst

Emile Henri David war Jude und stand politisch recht links, was den Nazis nicht gefallen konnte. Und doch gelten dessen jetzt zurückgegebenen Gemälde nicht als Raubkunst. Die Nazis kannten die Werke Frits Van den Berghes nicht und entdeckten diese auch nicht im Archiv des Genter Kunstmuseums. Und David war auch nicht im Holocaust umgekommen, sondern lebte weiter in Belgien, wo er mehrmals umzog um letztendlich in der Wallonie zu bleiben. Also hatte man den damaligen Versuch, ihn ausfindig zu machen, nicht genug Nachdruck verliehen.

2001 stellte ein „Studienausschuss jüdischer Besitz“ fest, dass die beiden Van den Berghes im Genter Museum waren und einem jüdischen Besitzer gehören. 2014 fand die Kulturredaktion der flämischen Tageszeitung De Standard über diesen Ausschuss, der zum Bundesfinanzministerium gehört, heraus, wer dieser rechtmäßige Besitzer war.

Hinweise zusammengeführt

Auf den Rahmen beider Bilder fand sich die Brüsseler Adresse eines Galeristen, der Ende der 1930er Jahre pleite gegangen war und über dieses „Indiz“ sowie im Archiv der belgischen Armee und auch in dessen Ehevertrag mit seiner zweiten Frau fand sich der Name Emile Henri Davids und so konnte eins und eins zusammengerechnet werden. Doch nun begann die Suche nach dem Besitzer, der wohl inzwischen verstorben war.

Bei der Suche nach dessen Erben kam die Arbeitsgruppe zur Auffindung von Raubkunst und gestohlener Kunst in Belgien zum Zuge, obschon es sich bei den Van den Berghe-Werken nicht um Raubkunst als solche handelt, wie oben erwähnt. Diese Arbeitsgruppe konnte gemeinsam mit dem belgischen Finanzministerium herausfinden, wer die Erben waren und wo sie leben.

Zwei Töchter

Es handelt sich dabei um die beiden Töchter von Emile Henri David, die in Chile und in Frankreich leben. Eine von ihnen, die 67jährige Nathalie David, nahm in dieser Woche die beiden Gemälde in Empfang. Ihr Vater sei 1957 in Frankreich bei einem Autounfall ums Leben gekommen, sagte Nathalie David. Dass ihr Vater 1940 nicht zu finden war, habe seinen Grund, so die Tochter. Er hatte sich damals schon dem Wiederstand gegen die Besatzer angeschlossen…

Diese Bilder hätten einen hohen emotionalen Wert für sie, sagte Nathalie David. Sie war 8 Jahre alt, als ihr Vater starb. Die Werke bleiben wohl nicht in Belgien und können denn auch nicht mehr im Museum für Schöne Künste ausgestellt werden. Mindestens eines der Bilder nimmt Nathalie David mit in ihre neue Heimat Chile.