Flandern und der Separatismus: Eine natürliche Auflösung?

Ein Artikel der französischsprachigen Zeitung La Libre Belgique von diesem Wochenende zählt die Völker in Europa auf, die mit dem Gedanken des Separatismus spielen. Neben u.a. Schottland, dem Baskenland und Korsika, ist auch Flandern aufgelistet. Und wie steht es dort derzeit mit den Unabhängigkeitsbestrebungen?

"Alle, die ein wohlhabendes und solidarisches Flandern wollen, ein sicheres Flandern mit einer flämischen Identiät und die ein unabhängiges Flandern wünschen, rufe ich dazu auf, sich unserer Bewegung anzuschließen." Diese Worte, heißt es in La Libre Belgique, seien am vergangenen 17. September von Bart De Wever, dem Präsidenten der N-VA, der wichtigsten Unabhängigkeitspartei Flanderns, ausgesprochen worden.

Wenn derjenige, der gleichzeitig Bürgermeister von Antwerpen ist, es für gut befinde, an die Forderung nach Unabhängigkeit zu erinnern, dann nur, weil er damit die radikalen Kräfte an der Basis der Neuen Flämischen Allianz beruhigen wolle, heißt es weiter in der Zeitung.

Seitdem die N-VA in der föderalen Regierung sitze (2014), würden die separatistischen Forderungen im Norden des Landes weniger scharf klingen.

Die Regierung des Einheitsstaates werde zwangsläufig von den Nationalisten gehasst, aber die Entwicklung der heutigen  Regierung, die eine weiter rechts angesiedelte sozioökonomische Politik in den Mittelpunkt stelle, folge auf einen langen Streit um Befugnisse der verschiedenen Ebenen (föderal, Gemeinschaften, Regionen) und eine wichtige Staatsreform. Diese hätten zweifelsohne die Frage nach der Autonomie Flanderns in der öffentlichen Debatte gebändigt.

Heute setze die N-VA auf eine Logik des Konföderalismus und spekuliere öffentlich auf ein "natürliches" Verdampfen des Königreiches. Sie überlasse die radikalsten separatistischen Reden den Rechtsextremen und den in Belgien weiter existierenden nationalistischen Splittergruppen, ohne sich selbst jedoch dabei zu verleugnen.