Bourgeois: "Bin neidisch auf die Katalanen"

„Ich bin neidisch auf die Katalanen.“ Das sagte Flanderns Ministerpräsident Geert Bourgeois (Foto) von den flämischen Nationaldemokraten N-VA am Montagmorgen gegenüber dem VRT-Frühstücksradio „De ochtend“ („Der frühe Morgen“) auf Radio 1. Bourgeois zeigte sich begeistert vom Stolz der Katalanen auf ihre Identität, der sowohl auf linker, als auch auf rechter Seite breit getragen werde. Dies, so der Landeschef, vermisse er hier in Flandern.

Vor zwei Tagen hat sich die spanische Region Katalonien per Referendum vom spanischen Zentralstaat zumindest symbolisch verabschiedet. Doch wie geht es jetzt weiter? Und wie könnte der Status der Katalanen nach einer Unabhängigkeit innerhalb der EU aussehen? Würde Katalonien von der EU oder von einzelnen EU-Mitgliedsländern anerkannt oder nicht? Und wie sieht das auf monetärer Ebene aus? Behielte Katalonien weiter den Euro? Viele Fragen und keine eindeutigen Antworten.

Vorsichtige Sympathie für die Katalanen kommt aber aus dem belgischen Bundesland Flandern und hier vor allem von den nationaldemokratischen Regionalisten der N-VA, der Partei von Landeschef Geert Bourgeois. Doch auch er will den Ereignissen nicht zuvorkommen: „Wir müssen sehen, wie sich die Situation dort entwickelt. Die N-VA ist für das Selbstbestimmungsrecht, doch bis dahin ist noch ein langer Weg zurückzulegen.“

Zudem sitzt die N-VA auch auf belgischer Bundesebene mit in der Regierung, hat also hier auch Regierungsverantwortung. Darunter würde auch eine Anerkennung oder Ablehnung eines unabhängigen Staates Katalonien fallen. Ob diese Frage derzeit eine Regierungskrise wert sei, wollte die Redaktion von „De ochtend“ wissen, doch dies stehe derzeit nicht auf der Tagesordnung, so Bourgeois: „Jeder fragt die ganze Zeit, was die N-VA tun wird. Doch es ist deutlich, was wir sind. Wir sind eine nationalistische Partei. Wir sind neidisch auf die Katalanen.“ Bourgeois imponiert, wie breit der katalanische Nationalismus und das Streben nach Autonomie dort getragen wird: „Die Sportwelt, Fußballclub Barça, die kulturelle Welt, die Gewerkschaften… Alle stehen dahinter und überall hängt die katalanische Flagge.“

Wo bleibt der Stolz?

Diesen Stolz auf die eigene Identität fehlte ihm hier in Flandern, bedauerte Landeschef Bourgeois: „Ich sage schon lange, dass die Flamen etwas stolzer auf ihre eigene Identität sein könnten.“ Ein ähnliches Referendum in Flandern ist für den Ministerpräsidenten denn auch undenkbar. Er begreift, dass es in Flandern keinen Sturmlauf auf die Wahllokale geben würde: „Wir operieren in einem völlig anderen Kontext.“

Aufruf zum Dialog

MP Bourgeois wiederholte auch am Dienstagmorgen bei der VRT in „De ochtend“ seinen Aufruf an Spanier und Katalanen, den Dialog wieder aufzunehmen. Doch seiner Ansicht nach habe Madrid noch nicht wirklich klar und deutlich zu verstehen gegeben hat, einen Dialog auch zu wollen: „Ich hoffe, dass sich alle Parteien an einen Tisch setzen. Gelingt das nicht, dann muss eine Vermittlung kommen.“

Der flämische Landeschef zeigte sich übrigens auch erbost über die Gewalt der spanischen Polizei gegenüber katalanischen Wählern. Geert Bourgeois bedauerte in diesem Zusammenhang, dass die Europäische Union diese Gewalt bis jetzt noch nicht klar und deutlich verurteilt habe.