Flandern bestimmt neun neue Regionalprodukte

Die flämische Landwirtschafts- und Fischereibehörde VLAM hat jetzt neun weitere typische traditionelle Lebensmittel in die Liste der geschützten Regionalprodukte aufgenommen. Damit sind inzwischen schon 221 traditionelle Regionalprodukte in dieser Liste zu finden. Auch dieses Mal handelt es sich dabei um eher kalorienreiche und zuckerhaltige Zutaten oder Gerichte.

Spekulatius, speculaas, specfour

Eines dieser zuckerigen Produkte ist das „Kontichse specfour“. Das ist eine Spekulatius-Variante (in Flämisch eigentlich „speculaas“), in der keine Mandeln verarbeitet sind, sondern Kokos. Das Backrezept dazu stammt aus dem Jahr 1927 und wurde von dem Konditor Jos De Backer (what’s in a name) aus Kontich bei Antwerpen erfunden.

Der typische „Belgische speculaas“ genannte hiesige Spekulatius hingegen stammt von Leo Borms und seinem Großvater Jozef Borms aus Baasrode bei Dendermonde in Ostflandern, genauer von der Keks- und Pfefferkuchen-Firma La Confiance, wo er seit den 1920er Jahren hergestellt wird. Auch der ist heute ein geschütztes flämisches Regionalprodukt.

Glasur-speculaas von der Küste“ (Foto) beweist, dass die Bewohner der belgischen Nordseeküste ihre Kekse, bzw. ihren Spekulatius gerne noch um eine Geschmacksvariante erweitern. Die Bäckerei Rivièra in Ostende ist die letzte ihrer Art, die diese Kekse mit einer schlangenförmigen Zuckerglasur überzieht. Das entsprechende speculaas wird nur zwischen Oktober und April gebacken und zwar ohne typische Kräuter. Dafür schmecken sie aber nach Butter und nach Kandiszucker.

Alkoholisches

Jetzt auch ein geschütztes flämisches Regionalprodukt ist der typische „Advokaat“ nach Großmutter Filliers. Heute wird dieser eher leichte Likör von Filliers Distillery in Bachte-Maria-Leerne in Ostflandern hergestellt.

Alter Korngenever aus Ostflandern“ gehört ebenfalls zur Brennerei Filliers, wird aber in deren Niederlassung in Deinze gebrannt. Das Besondere daran ist, dass die Brennerei Filliers dazu seinen eigenen Malzwein ansetzt, eine der wichtigsten Zutaten für Korngenever. Diese Basis besteht aus Roggen, Malz und Weizen und muss einige Tage lang gären. Danach wird er gefiltert und zweimal in kupfernen Destillierkolben destilliert und reift anschließen jahrelang in amerikanischen Eichenfässern. „Alter Korngenever aus Ostflandern“ besteht aus diesem Malzwein, aus Kornalkohol, aus Geneverbeeren-Distillat und aus Brunnenwasser.

Fleisch und mehr

Bei Janssens in Mol in der Provinz Antwerpen wird seit etwa 1930 „Filet D’Anvers“ hergestellt. Das ist ein trockener Schinken, der seinen Geschmack mit viel Salz, Geneverbeeren, Lorbeerblättern und Gewürznelke erhält. Das Fleisch muss eigentlich vom rotbunten Rind kommen und mit Buchenholz geräuchert werden.

Echte „Zwienemutsen“ (wörtlich übersetzt "Schweinemützen") macht nur noch die Metzgerei von Johan Dobbels aus Ostende. „Zwienemutsen“ bestehen aus gepökeltem und gekochten Schweinemagen, in deren Sud Pfeffer und Salz, Lorbeerblätter und andere Kräuter sowie Gelatine hinzugefügt wird. Man kann die Scheiben kalt bei der Stulle aber auch gekocht oder gegrillt essen.

Limburger Blutwurst“ (Foto oben) wird seit 1898 nur in der Metzgerei Molenaers im limburgischen Hoeselt hergestellt. Diese Blutwurst unterscheidet sich von anderen „gewöhnlichen“ Blutwürsten bereits durch ihre Form. Es gibt sie nur als 40 cm langen Ring. Sie hat eine feste Konsistenz, ist nur leicht mit schwarzem Pfeffer und Thymian gewürzt und ist immer rot. „Limburger Blutwurst“ wird sowohl kalt, als auch warm gegessen und in ihrer Provinz sogar von angesehenen Restaurants angeboten und verarbeitet.

Schon im 14. Jahrhundert stellte der französische Hofdichter Eustache Deschamps fest, dass beim Essen im damaligen Flandern stets Senf gereicht wurde. Und die Tradition des Senfmachens wird in Gent sehr ernst genommen. „Gentse mosterd“ basiert auf der Machart der Familie Tierenteyn, die ihren Senf bereits seit 1790 „dazu gibt“. Noch heute wachen Nachkommen dieser Familie über die Echtheit dieses Senfs, der dunkel und eher flüssig ist. „Gentse mosterd“ kauft man am besten auf dem Groentemarkt im Herzen von Gent oder im Regionalmarkt im historischen Vleeshuis.