In Belgien sind Unterhaltszahlungen nicht einheitlich geregelt

Die Unterhaltszahlungen, die Eltern im Falle von Scheidung für die Kinder zahlen müssen, variieren teilweise sehr stark in Belgien. Sogar bei Eltern mit ähnlichem Einkommen, kann der Beitrag unterschiedlich sein. Für zwei Kinder können die Beträge zwischen 38 und 600 Euro schwanken. Das liegt daran, dass sich Paare häufig untereinander und nach eigenem Ermessen einigen, aber auch weil verschiedene Berechnungsmethoden zugrunde gelegt werden.
SAMUEL ASHFIELD/SCIENCE PHOTO LIBRARY

Wie wird die Höhe des Unterhaltsgeldes für Kinder berechnet, wenn die Eltern auseinander gehen? Häufig ist dieser Punkt bei einer Scheidung eine sehr heikle Angelegenheit, denn die Berechnungsmethoden sind nicht einheitlich.

Elke Claessen von der Universität Antwerpen untersuchte 2.500 Steuerbescheide von geschiedenen Pärchen. Das Ergebnis ist verblüffend: Sogar in ähnlichen Situationen gibt es große Unterschiede in der Höhe der Beträge.

"In Belgien gibt es verschiedene Berechnungsmethoden, auch bekannte Methoden, die zugrunde gelegt werden", erklärt Elke Claessens von der Universität Antwerpen in der VRT. "Keine einzige davon ist gesetzlich vorgeschrieben. Das führt zu verschiedenen Optionen und Annahmen. Die Kosten der Kinder werden also unterschiedlich berechnet. Die Ergebnisse unterscheiden sich dementsprechend, selbst wenn man sich selbst als objektiv betrachtet."

"Verschiedene Menschen berechnen die Summen auf unterschiedliche Weise und das führt zu einem großen Unterschied bei den Beträgen."

Ein Beispiel: In Flandern können die Beträge für zwei Kinder von 38 Euro bis 600 Euro betragen, sogar in ähnlichen Situationen.

"Wie berechnen Sie nun die Kosten für den Unterhalt der Kinder? Hier unterscheiden sich die Methoden in Belgien sehr häufig. In welcher Weise werden die Kosten der Kinder berücksichtigt? Wie viel Prozent des Einkommens fließen zum Beispiel in die Ernährung eines Kindes. Die Berechnungen unterscheiden sich und die Beträge auch. Ja sogar die Ergebnisse der Richter, wenn sie ein bestimmtes System immer wieder benutzen", so Elke Claessens.

Vor Gericht

Wenn eine Scheidung vor Gericht kommt, muss sich der Richter an bestimmte Kriterien halten. Doch auch in diesem Fall gibt es keine Standardmethode. Jeder Richter entscheidet sich für sein System. Mit einer einheitlichen Methode könnte die Unsicherheit beseitigt und viel Elend vermieden werden.

"Wenn ich mir das Ausland ansehe, stelle ich fest, dass dort ein einheitliches System verwendet wird. Und das funktioniert gut. Ich denke, darauf müssen wir auch hinarbeiten. Zunächst müssten aber strengere Kriterien angesetzt werden, Ober- und Untergrenzen, an die sich sowohl die Richter als auch die Eltern bei ihren Berechnungen richten können", schlägt Elke Claessens von der Uni Antwerpen vor.