Brüssel: RVS-Gebäude wird Kommunalverwaltung

Das modernistische RVS-Gebäude an der Koningslaan, Ecke Sint-Franciscusstraat in Brüssel erhält eine neue Zweckbestimmung. Wo bis 2015 der Personaldienstleister SD Worx sein Domizil hatte, wird in absehbarer Zeit ein Teil der Verwaltung der Brüsseler Gemeinde Sint-Joost-ten-Noode einziehen, auf deren Grundgebiet sich das architektonisch wertvolle Gebäude befindet.

Das RVS-Gebäude wurde zwischen 1936 und 1938 von dem niederländischen Architekten Jos Duinstee im Auftrag der „Rotterdamsche Verzekering Sociëteiten“, kurz RVS, gebaut. Das nach Duinstees strenger funktionalistischer Auffassung mit art-deco-Elementen errichtete Gebäude ist eines der auffallendsten Zeugnisse des Modernismus aus der Zeit des Interbellum, wie hier die Zwischenkriegszeit gerne bezeichnet wird.

Das Gebäude ist nach strengen Linien errichtet, mit einer bestimmten damals modernen geometrischen Führung. Das ist u.a. an den großen Glasfenstern zu sehen und innen, an den Mosaikböden und den art-deco-mäßigen Kachelwänden. Die Innenwände entwarf ein weiterer Niederländer, nämlich der Innenarchitekt Jaap Gidding, der in seinem Heimatland zahlreiche Theater, Kinos und auch Gasthäuser dekorierte.

Das RVS-Gebäude ist der einzige Bau von Jos Duinstee außerhalb der Niederlande, doch Kunde war ja eine niederländische Versicherungsgesellschaft. 1955 erfuhr das RVS-Gebäude eine Erweiterung, die allerdings streng nach den Vorgaben der Schöpfer erfolgte. Der Brüsseler Illustrator, Designer und Comiczeichner Ever Meulen entwarf damals die gläsernen Übergänge zwischen dem Ursprungsbau und dem Anbau und er schuf zudem alle Wegweiser innerhalb des Gebäudes.

Die jüngere Geschichte

1999 erwarb der HR-Dienstleister SD Worx das RVS-Gebäude und ließ es historisch korrekt bis ins kleinste Detail restaurieren, doch 2015 zog das Unternehmen dort wieder aus und seit dem steht es leer und setzt Staub an. Jetzt allerdings darf dieses wunderbare Gebäude aus seinem Dornröschenschlag erwachen, denn die Gemeindeverwaltung von Sint-Joost-ten-Noode braucht Platz und dieser ist hier in großem Maße zu finden.

Ob das verwinkelte Gebäude am der Tramhaltestelle „Guillon“ nach heutigen Gesichtspunkten für seine zukünftige Neubestimmung geeignet ist, wird allerdings bezweifelt. Kritiker werfen der Kommune zudem vor, hier zu viel Geld für ein Prestigeobjekt zu nutzen (Sint-Joost-ten-Noode ist die ärmste Gemeinde Belgiens), doch dass ein historisch und architektonisch so wertvolles Gebäude erhalten wird, gehört auch zu den Aufträgen von Politik und Verwaltung.