Mehr als ein Drittel des Ökostroms in Belgien stammt aus Skandinavien

Noch immer stammt mehr als ein Drittel (37 Prozent) des Stroms, der 2016 als Ökostrom in Belgien verkauft wurde, aus Skandinavien. Das geht aus einem Bericht der vier belgischen Energieregulierungsbehörden hervor. Der Energie-Experte der linken Partei PVDA, Tom De Meester, kritisiert das System. "Hier wird den Menschen etwas vorgemacht."

Lieferanten dürfen 'Ökostrom' verkaufen, wenn sie hierfür ein Ökostrom-Zertifikat vorlegen können. Er dient als Beweis dafür, dass der Strom aus erneuerbaren Energien stammt.

Mit diesen Ökostrom-Zertifikaten wird gehandelt und Stromlieferanten können sie in ganz Europa kaufen.

Der Strom, der in Belgien als Ökostrom verkauft wird, ist also nicht unbedingt Strom, der aus Belgien kommt, trotz der Windräder und Solardächer hierzulande. Zum Vorankommen der Energiewende in Belgien trägt das also nicht bei.

Das geht aus dem Bericht der Regulierungsbehörden hervor. 2016 war dreißig Prozent des gelieferten Elektrizitäts-Volumens erneuerbarer Strom (45 Prozent in Brüssel, 29 Prozent in Flandern und 26 Prozent in Wallonien). Der Anteil der Herkunfts-Zertifikate aus Skandinavien stieg auf 37 Prozent, nachdem er zwischen 2014 und 2015 von 61 auf 25 Prozent gesunken war. Weitere 54 Prozent der Herkunftsnachweise stammen aus Belgien, Frankreich, den Niederlanden und Deutschland.

Doch nach Auffassung von Dirk Van Evercooren, dem Direktor für Wettbewerb bei der flämischen Regulierungsbehörde Vreg, besteht in Flandern eine zunehmende Nachfrage nach Ökostrom, der tatsächlich in Belgien produziert wird - vor allem bei Unternehmen.

So waren letztes Jahr 8,32 Prozent des gesamten verbrauchten Stroms in Flandern Ökostrom, der in Flandern hergestellt wurde. 2015 waren das noch nicht einmal sechs Prozent.

Tom De Meester übt scharfe Kritik an dem System der Öko-Zertifikate. "Der Strom, der als Ökostrom verkauft wird, ist einfach nur grauer Strom aus unseren Atomkraft- und Gaskraftwerken, denen ein grünes Label verpasst worden ist. Die Label werden in Skandinavien gekauft", so De Meester. "Tatsächlich sind also nur acht Prozent der Elektrizität, die in Flandern produziert werden, Ökostrom."

Meester verglich das System mit dem System des Ablasshandels im Mittelalter, um Sündenstrafen zu erlassen. "Den Menschen wird etwas vorgegaukelt. Sie sind der Auffassung, dass sie Ökostrom kaufen und sogar bereit, etwas mehr hierfür zu bezahlen. Doch das ist nur Schein. In Wirklichkeit kaufen sie Strom aus Atomkraftwerken um die Ecke."

Er fordert eine Auferlegung von verbindlichen Zielen für erneuerbare Energien in Flandern und Belgien. Die Investitionen in erneuerbare Energie seien zum Stillstand gekommen. Privatinvestoren interessierten sich nur für Renditen, deshalb müsse der Staat selbst in erneuerbare Energien investieren."