Lerngewinn mit Mehrsprachigkeit

Die flämischen Sozialdemokraten (SP.A) unterstützen die Initiative von GO!, um Schülern, die eine andere Muttersprache als das Niederländische sprechen, die Anwendung dieser Sprache auch auf dem Pausenhof und selbst in der Schulklasse zu erlauben. "Pragmatisch und logisch", sagt die SP.A-Unterrichtsexpertin Caroline Gennez. Die "N-VA braucht keine Angst zu haben. Das Niederländische ist und bleibt die gemeinsame Unterrichtssprache. Doch am Ende ist der Lerngewinn größer, wenn die Mehrsprachigkeit und die Muttersprache gestärkt werden", betont Gennez.

"Für uns ist unglaublich wichtig, dass das Kind im Mittelpunkt steht", erklärt Gennez. "Kinder müssen sich in der Schule heimisch fühlen. Das ist schwierig, wenn man ihre Muttersprache in der Schule völlig verbietet", so die Sozialdemokratin.

Die Sozialdemokraten stehen daher hinter der Initiative von GO!, die Muttersprache auf andere Weise zu fördern. Dieses Vorgehen stehe laut Gennez auch nicht im Widerspruch zum Niederländischen als Unterrichtssprache. "Das geht nicht auf Kosten des Niederländischen als Unterrichtssprache, im Gegenteil. Der entspannte Umgang mit der Sprache hilft, nicht nur besser in der Schule lernen zu können, sondern auch besser Niederländisch zu lernen. Respekt vor der Muttersprache sollte also eine Selbstverständlichkeit in der Schule sein", heißt es.

N-VA hält das für einen "Aprilscherz"

Die Mahrheitspartei N-VA kritisiert die Pläne von Go! scharf. In der VRT sagte ihr Vorsitzender Bart De Wever zynisch: "Ich dachte, dass das ein verfrühter Aprilscherz ist." De Wever nannte die Initiative absurd.

"Zu einem Zeitpunkt, zu dem man in Flandern alle Mühe hat, Menschen, die hierher kommen und bleiben dürfen, zu integrieren, ihnen Niederländisch beizubringen und ihnen auch eine Chance auf dem Arbeitsmarkt und in unserer Gesellschaft einzuräumen, wie kann es da eine gute Idee sein, die Muttersprache der Menschen in der Schule zu fördern, wo man doch Niederländisch hinzulernen kann", betonte De Wever.

Der N-VA-Vorsitzende sagte zudem, er wolle "keine Sprache stigmatisieren". In der Schule müssten die Leute Niederländisch lernen, sprechen und die Sprache möglichst häufig anwenden und üben. Er stelle sich auch die Frage, ob es Lehrer gebe, die mit Schülern umgehen könnten, die ihre Aufgaben in Arabisch, Farsi oder Suaheli vorbereiteten.

Doch die Sozialdemokraten kontern: Die N-VA müsse sich keine Sorgen machen. "Niederländisch ist und bleibt die gemeinsame Unterrichtssprache." "Doch warum nicht auch die Muttersprache von Kindern aufwerten, um Kenntnisse einbringen zu können? Die Mehrsprachigkeit war immer schon ein Trumpf für Flamen weltweit gewesen. Lassen Sie uns diese Kenntnis mehrerer Sprachen auch bei den neuen Belgiern fördern. Eine wichtige Randerscheinung für gute Schulleistungen ist die Sprachenvielfalt eines Kindes. Sprachenarmut, sowohl im Niederländischen als auch möglicherweise in einer anderen Muttersprache, ist immer eine Bremse", so Gennez noch.

Eine Ergänzung und ein Trumpf für das offene Flandern in der Welt

Auch die Vorsitzende der flämischen Liberalen Gwendolyn Rutten unterstützt die Initiative von Go!. "Mehrsprachigkeit und die Unterrichtssprache Niederländisch ergänzen sich. Es ist ein win/win, ein Trumpf für das offene Flandern in der Welt", twitterte Rutten.

Un auch die flämische Unterrichtsexpertin der Grünen Groen, Elisabeth Meuleman, reagierte begeistert auf Twitter. Ihr zufolge werde das Vorgehen das Wohlbefinden der Schüler steigern und ihnen damit auch das Erlernen der niederländischen Sprache erleichtern. Sie verweist dabei auf wissenschaftliche Untersuchungen, die eindeutig seien und fordert, diese Erkenntnisse nun auch in die breite Praxis umzusetzen.