Mutter widerruft Adoption nach anderthalb Jahren

Ein homosexuelles Paar aus dem Brüsseler Stadtteil Schaarbeek muss nach anderthalb Jahren sein Adoptivkind wieder der leiblichen Mutter übergeben. Dieser Vorgang ist möglich, da eine Adoption in nach belgischem Recht erst durch ein Gerichtsurteil rechtskräftig wird. Doch in diesem Fall stand das entscheidende richterliche Urteil noch aus.

Vorerst geht der kleine Junge aufgrund einer richterlichen Entscheidung zu Gunsten der leiblichen Mutter einen Tag pro Woche zu dieser zurück, doch in absehbarer Zeit ist diese Rückgabe wohl endgültig.

Die biologische Mutter des kleinen Jungen hat innerhalb der gesetzlich vorgesehen Frist von sechs Monaten ihre im April 2016 notariell aktenkundige Einwilligung zur Adoption zurückgezogen. Der Vorgang, der zur vorliegenden Situation geführt hat, dauerte rund ein Jahr.

Der heute anderthalb Jahre alte Junge kam fünf Tage nach seiner Geburt zu seinen beiden neuen Vätern nach Schaarbeek. In Zusammenhang in diesem für alle Seiten dramatischen Fall fordern Experten jetzt eine Anpassung des Adoptionsrechtes, um solche Härtefälle in Zukunft vermeiden zu können.

Gewünscht wird eine höhere Bewertung der vorliegenden familiären Fakten gegenüber den biologischen Tatsachen. Dass sich leibliche Eltern nach einer so langen Zeit plötzlich doch noch für die Erziehung ihrer eigentlich zur Adoption freigegebenen Kinder entscheiden, kommt nur sehr selten vor.

Beim „Adoptionshaus“ in Antwerpen, das die Vermittlung des kleinen Jungen an die beiden homosexuellen Männer aus Schaarbeek betreut hat, ist ein solcher Vorgang auch nach 25 Jahren Praxis noch vorgekommen, wie deren Mitarbeiterin Iris Vandenborre am Mittwoch gegenüber VRT NWS angab.