Flandern steckt 100 Mio. € in die Bahninfrastruktur

Das belgische Bundesland Flandern lässt rund 100 Mio. € in Infrastrukturprojekte der belgischen Eisenbahn fließen. Eigentlich ist die Finanzierung der Bahn in Belgien Sache der Bundesbehörden, doch da der Staat nicht ausreichend Mittel freimacht, um in Flandern dringend benötigte Bahnprojekte zu realisieren, streckt die Landesregierung eigenes Geld bis auf weiteres vor.

Die flämische Landesregierung legte vor einiger Zeit in ihren Mehrjahres-Investitionsplan für den Zeitraum 2018 bis 2022 insgesamt 11 Projekte fest, die innerhalb der Bahninfrastruktur Priorität genießen und so schnell wie möglich umgesetzt werden sollen.

Die belgische Bundesregierung machte für 13 Investitionen in Bahninfrastruktur 371 Mio. € frei, wovon 221 Mio. € in 11 in flämische Projekte fließen. Doch diese Summe wird nicht reichen. Aus diesem Grunde schießt Flandern weitere 100 Mio. € aus der Landeskasse hinzu.

Bisher hatte das Land nur an einem Projekt der belgischen Bahngesellschaft NMBS/SNCB mit bezahlt und zwar am Liefkenshoektunnel, der Güterzüge von oder zum Antwerpener Hafen schneller unter der Schelde hindurchfahren lässt. Jetzt allerdings werden gleich mehrere Projekte der Bahn mit Landesmitteln gefördert.

Wichtige flämische Projekte

Das ist zum Beispiel ein drittes Gleis zwischen Lokeren und Sint-Niklaas, die Elektrifizierung und der Bau eines zweiten Gleises auf den Linien Mol-Hamont und Balen-Zonhoven in der Provinz Limburg und deutlichere Verbesserungen der Verbindung zwischen den Seehäfen von Antwerpen und Gent an das Hinterland (und an das Ausland). Nicht zuletzt wird auch in die weitere Entwicklung der Vorstadtnetze in Gent, Brüssel und Antwerpen investiert und in die Anpassung von internationaler Infrastruktur an europäische Normen.

Kritik von den Fahrgastverbänden

Der belgische Fahrgastverband ZugTramBus (TTB) reagiert mit verhaltener Kritik auf die Investierung. Dort wundert man sich darüber, dass Flandern Projekte mitfinanziert, die eigentlich Sache des belgischen Föderalstaates sind, während im eigenen Bundesland Probleme nicht gelöst werden können. Die flämische Nahverkehrsgesellschaft De Lijn sei chronisch unterfinanziert, so TTB.

Deren Sprecher Stefan Stynen sagte dazu gegenüber der VRT-Nachrichtenredaktion: „De Lijn ist sehr wohl eine flämische Zuständigkeit. Flandern sollte kritischer mit dem umgehen, was man in der eigenen Hand hat. Wir machen uns Sorgen über De Lijn und über den Mangel an Mitteln dort.“ TTB führt als Beispiel die Straßenbahnlinie 4 in Gent an. Die Trams müssten zwischen Ledeberg und Gentbrugge wegen des schlechten Zustandes von Gleisbereichen umgeleitet werden. Wann dieses Problem beseitigt werden kann, sei noch unklar.