Gewerkschaftsprotest gegen Rentenreform

Die drei großen Gewerkschaften haben am Dienstag zu einem Generalprotest gegen die Rentenreform der belgischen Bundesregierung aufgerufen. Rund 25.000 Gewerkschaftler laut Polizeiquellen und 40.000 laut Organisatoren haben in der Hauptstadt Brüssel protestiert. Gegen 13 Uhr war die Kundgebung ohne nennenswerte Zwischenfälle abgelaufen. Die Brüsseler Innenstadt ist wieder für den Verkehr geöffnet.

Die sozialistischen, christlichen und liberalen Gewerkschaften protestieren insbesondere gegen die Anhebung des Rentenalters auf 67 Jahre und das neue Punktesystem zur Berechnung der Rente. 

Die Gewerkschaften beklagen, dass von den Plänen von Rentenminister Daniel Bacquelaine (MR) kaum etwas bekannt und ein Dialog deswegen unmöglich sei.

Auch die Oppositionsparteien wettern gegen die geplante Rentenreform der rechtsliberalen Bundesregierung. Die flämischen Grünen sind keine Anhänger des Punktesystems: "Diese Punkte werden der Wirtschaftskonjunktur angepasst und hängen vom 'good will' der Regierung ab. Für die Bürger bedeutet dieses System große Unsicherheit", beschließt Wouter De Vriendt von Groen.

Der Vorsitzende der christlichen Gewerkschaft ACV, Marc Leemans, warf der Regierung vor, manchen Rentnern monatlich 250 bis 300 Euro wegzunehmen.

Rente nach Punkten

Rentenminister Daniel Bacquelaine (MR) verteidigt seine Pläne: "Wir haben die durchschnittliche Rente erhöht, insbesondere für die schwächsten Bürger", sagte Bacquelaine im RTBF-Radio.

Auch das Punktesystem sei einfach und transparent für die Bürger. Nach dem neuen System mit einem Mindestpensionsalter von 45 Jahren gilt: Je mehr Punkte, desto mehr Pension. Wer länger als 45 Jahre arbeitet bekommt mehr Punkte. Auch schwere Berufe erhalten mehr Punkte.

Darüber hinaus haben wir einen Pensionsausschuss gegründet, in dem die Gewerkschaften vertreten sind. "Noch nie hatten diese so viel Mitsprachrecht."

Dem frankophonen Liberalen zufolge macht Belgien im europäischen Vergleich keine gute Figur. Die durchschnittliche Berufslaufbahn in Belgien dauert 32 Jahre. Verglichen mit 35 Jahren in Europa und 39 Jahren in den Niederlanden muss Belgien sich anpassen.

Premier Michel: Gewerkschaften verbreiten "fake news"

 Premierminister Charles Michel (MR) warf den Gewerkschaften vor, "Lügen" und "fake news" über die Rentenreform der Bundesregierung zu verbreiten. Die Rentenreform sei im Gegenteil kein Mittel zum Zweck einer starken Wirtschaft, sondern strebe nach mehr sozialer Kohäsion.

"Manche Oppositionsparteien und Gewerkschaften wollen Angst auslösen und verbreiten deswegen Lügen. Die Regierung wird die Bürger in dieser Hinsicht besser informieren."

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