Mediziner Djalali: Mehr Details zum Todesurteil

Das höchste Gericht im Iran hat am Montag das international umstrittene Todesurteil gegen den renommierten Wissenschaftler Ahmad Reza Djalali (Foto) bestätigt und gleichzeitig weitere Details zu den Vorwürfen gegen den auch an der Brüsseler Uni VUB dozierenden Mediziner bekannt gegeben. International ist das Todesurteil umstritten, denn es steht der Vorwurf im Raum, dass die Geständnisse Djalalis unter Folter und Gewalt zustande kamen.

Der iranisch-schwedische Wissenschaftler und Mediziner Ahmad Reza Djalali soll nach Angaben des iranischen Staatsanwalts Abbas Jafari Dolatabadi geheime Details zu Nuklear- und Verteidigungsprogrammen seines Landes westlichen Geheimdiensten zugespielt haben. Dafür soll er Geld und die schwedische Staatsangehörigkeit erhalten haben.

Djalali hat eine Zeit lang in Schweden gelebt und gearbeitet, wie auch in Italien und in Belgien, wo er Gastdozent für Notfallmedizin an der Freien Universität Brüssel (VUB) war. Im April 2016 wurde Djalali bei einem Besuch in seiner iranischen Heimat verhaftet und wegen der oben genannten Vorwürfe zum Tode verurteilt. Wann dieses Urteil vollstreckt werden soll, teilte die Staatsanwaltschaft in der iranischen Hauptstadt Teheran nicht mit.

Auch aus Belgien kommen heftige Proteste gegen das Todesurteil gegen Djalali. Dieses soll - nicht zuletzt nach Angaben von Amnesty International - unter Folterung entstanden sein. Das iranische Fernsehen zeigte kürzlich Bilder, in denen Djalali Angab, dem israelischen Geheimdienst Mossad Informationen und Angaben zugespielt zu haben, die auch dazu dienen sollten, zwei iranische Kernphysiker zu ermorden.

Professoren, Rektoren, Studenten und zahllose andere Mitarbeiter von Universitäten in ganz Belgien haben gegen das Urteil gegen Djalali protestiert und auch die belgische Bundes- und die flämische Landesregierung versuchten bereits international zu intervenieren. Bisher ohne Erfolg, wie jetzt deutlich zu werden scheint.

Klar ist auch, dass Djalali im Iran keinen fairen Prozess gehabt hat. Er konnte seinen Anwalt nicht frei wählen und dieser hatte den Berufungsantrag seines Mandanten nicht eingereicht. Internationale Beobachter gehen davon aus, dass echte Beweise für Djalalis angebliche Zusammenarbeit mit dem Mossad einen ehrlichen und öffentlichen Prozess zufolge gehabt haben müssten. Doch die Beweislage sein einzig und alleine durch Folter zustande gekommen, so die einhellige Ansicht nicht nur hier in Belgien.

Neue Hoffnung?

Laut Zouhaier Chihaoui, dem Anwalt von Djalalis Ehefrau Vida Mehrannia, ist die Todesstrafe gegen den Professor nicht definitiv. Djalali habe im Iran einen neuen Anwalt und dessen Arbeit sorge für Hoffnung, so Chihaoui. Inzwischen arbeiten auch Juristen der Vereinten Nationen daran, den VUB-Gastprofessor freizubekommen.