Greift eine Jugendbande Brüsseler Polizisten an?

Jugendliche in Brüssel haben diese Woche im Stadtteil Sint-Gillies einen selbstgebauten Sprengkörper auf dem Wagen eines Polizisten abgelegt. Die Bombe bestand aus aneinander geklebten Feuerwerkskörpern und Krachern. Opfer dieses versuchten Anschlags ist ein Leiter der Eingreiftruppe der Polizeizone Brüssel-Süd. Diese Truppe ging bei den jüngsten Krawallen in der Hauptstadt gegen die Randalierer vor und ist bei Jugendbanden entsprechend "beliebt".

Die Täter bleiben bisher unerkannt. Wenig später nach dem Fund des am Wagen des Polizei-Hauptkommissars explodierten Sprengkörpers (hier zerbrach zum Glück lediglich die Rückscheibe des Autos) fand eine Streife einen Molotowcocktail in einem Mülleimer in der Nähe der Hauptwache der Polizeizone Brüssel-Süd. Die Polizei ist nicht wirklich überrascht, denn sie gerät öfter mal ins Visier von Jugendbanden.

Der Verdacht liegt offenbar nahe, dass es sich bei den Tätern um die sogenannte "Bande vom Jacques Franckplatz" handelt, einem Platz im Ortsteil Sint-Gillies. Diese Bande, die sich selbst "Fioul Gang" nennt, besteht aus rund 50 Minder- und Volljährigen und ist berüchtigt für bewaffnete Überfälle, Drogenhandel, Diebstahl, Körperverletzung und anderem mehr. Bei Kontrollen einiger mutmaßlicher Bandenmitglieder wurde von Polizisten gestohlene Handys gefunden, auf denen auch Privates der Beamten zu finden war.

Für ein härteres Vorgehen und für Verhaftungen von Verdächtigen fehlen der Brüsseler Staatsanwaltschaft nach eigenen Angaben jedoch die Beweise, was wiederum die Polizisten vor Ort frustriert. Diese befürchten, dass sich die Bande oder andere Kriminelle auch gegen ihre Angehörigen richten, wenn sie etwas über deren Privatleben herausfinden können. Das beschränkt sich nach Angaben von Brüsseler Polizisten und deren Gewerkschaften bei weitem nicht nur auf den Stadtteil Sint-Gillies.

Prozesse nach den Krawallen

Am Freitag begannen die ersten Verfahren gegen Randalierer, die in Zusammenhang mit den Krawallen in der Brüsseler Innenstadt vom 11. November 2017 (Foto unten, nach einem Fußballspiel der marokkanischen Nationalmannschaft) angeklagt wurden.

Neben einem Brüsseler Rapper, der auf seiner Facebook-Seite zu Krawallen angestachelt hatte, standen fünf weitere Jugendliche vor dem Richter. Ihnen wird u.a. Diebstahl, Sachbeschädigung, Nötigung und Widerstand gegen die Staatsgewalt vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft fordert in allen sechs Verfahren Haftstrafen von bis zu zwei Jahren.